Lieblingsautoren im Wandel meines Leselebens

Es ist Sonntag nachmittag und die Aktion „Buchpassion – Edition: Lieblingsautorinnen und -autoren“ neigt sich ihrem Ende. Mitte September hatte ich zwar eine erste Idee für meinen Beitrag, aber wegen akutem Zeitmangel (neuer Job) ging es nie auch nur ansatzweise an die Umsetzung. Nun sind plötzlich noch ein oder zwei Stunden Luft und vielleicht klappt es doch noch. Also los!

Im Laufe meines Leselebens hatte ich immer wieder verschiedene Lieblingsautoren und -autorinnen. Von denen, die mir jetzt spontan einfallen, möchte ich Euch gern kurz mal erzählen.

Als Kind begann meine Oma, mir die „Nesthäkchen“-Bände Weiterlesen

[Buchtipp] Falsche Freundschaft – von Brigitte Blobel

Neulich saß ich heulend in der Bücherei. Nun, zum Glück nicht wirklich, aber ich kämpfte schwer gegen meine Tränen an.

Warum?

Weil ich in ein Buch hineinlas, von dem ich dachte, das könnte was fürs Kind sein. Ich las weit am Ende und war – obwohl ich nicht die ganze Geschichte kannte – sehr berührt vom Gelesenen.

Das Kind kam um die Ecke und war fertig mit der eigenen Auswahl, sodass ich „mein“ Buch zuklappte, noch einmal schluckte, um den Kloß im Hals loszuwerden, und das Buch mit auf den Auswahlstapel legte.

Als wir später am gleichen Tag bei einem Arzt noch Wartezeit hatten, begann ich, dem Kind die Geschichte vorzulesen.

Und weil ich selbst gespannt war, wie sich die Story entwickeln würde, Weiterlesen

Hello, Mrs. Father! – Miriam Gross schreibt aus NYC

Das vorliegende Buch entstand aus einem Blog. Allerdings sind die Beiträge, die ihren Weg ins Buch fanden, anscheinend nicht mehr auf dem Blog zu finden. (Okay. Ausnahmen bestätigen die Regel.)

Die Autorin Miriam Gross ist 1976 in Franken (Deutschland) geboren und aufgewachsen. Als Pfarrerin war sie bereits in Orkney (Schottland) und München. Nun ist sie mit ihrer Familie in New York City.

Das Buch setzt keine zwei Wochen vor dem großen Tag ein: Umzug. Von Deutschland weg, für sechs Jahre nach New York, in die Riesenmetropole. Schon auf den ersten Seiten gewinne ich den Eindruck, dass die Autorin eine starke Frau ist und eine mutige dazu. In New York arbeitet sie als Pastorin einer deutschen Ev.-Lutherischen Kirche (St. Pauls). Da ihr Bonus-Vater Amerikaner war, ist das Ganze vielleicht auch eine Reise zu ihren Wurzeln. Oder so ähnlich. Weiterlesen

Vom Notieren, Kinderbeschäftigen bei schlechtem Wetter und dem Bloggen

Die Kinder wollten endlich mal wieder in den Indoorspielplatz. „Die Kinder“, das klingt immer so, als hätten wir mehrere. Dabei handelt es sich um Mr. Son und seinen besten Freund. Okay, bei beiden Elternpaaren fühlt es sich zuweilen an, als seien die beiden Geschwister und als gehörte das fremde Kind zur eigenen Familie.

Die Kinder also wollten in den Indoorspielplatz. Das Wetter passte, weil es schon wieder leicht regnet, nachdem wir die letzten zwei Tage vom Sonnenschein verwöhnt worden sind.

Und ich sah meine Chance: Endlich die Lesenotizen zu einem Buch beenden, das ich bereits im März las. Und vielleicht reicht die Zeit sogar noch für mehr? In meiner Tasche befinden sich daher neben dem Tolino und dem aktuellen „Lektüre-Notizen“-Heft auch
noch alle bisherigen Notizhefte dieser Art und mein Notebook.

Gestern erst hatte ich nämlich die Zeit gefunden, einen neuen Artikelentwurf zumindest einmal zu beginnen – und hatte dafür auf die entsprechenden Notizen im letzten Heft zurückgegriffen. Ob da heute noch mehr geht? Wer weiß!

Meine „Lektüre-Notizen“ in einfach oder auch schöneren Heften habe ich im September 2015 begonnen. Damals vor allem, weil ich gerade ein Buch aus der Bücherei lesen wollte, in dem ich natürlich nicht mit Bleistift arbeiten konnte wie bei meinen eigenen Büchern. Seitdem sind daraus nun sechs Hefte geworden, aber über fast kein Buch davon schrieb ich im Blog. Da kann also noch einiges kommen. 😉

Also fange ich einfach mal an, meine Notizen in Scrivener zu übertragen und damit ein paar neue Artikelentwürfe zu beginnen. Und wer weiß…, vielleicht werden ja mit der Zeit ein paar Rezensionen daraus? Gut Ding will Weile haben…

[Rezension] Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen

„Es wird Zeit, alles zu überdenken. Alles.“ (Seite 7) Das sind die ersten Worte in der Einführung von Tim Parks und an diese hält er sich in der vorliegenden Sammlung von Essays. Er unterteilt das Buch in vier Teile mit jeweils sieben bis zehn einzelnen Texten:

  • Die Welt des Buches
  • Das Buch in der Welt
  • Die Welt des Schriftstellers
  • Schreiben rund um die Welt

timparksEr wirft Fragen auf…

…wie die, ob man (gute) Bücher zu Ende lesen muss. Ob man liest, um sein Weltbild zu bestätigen oder zu hinterfragen. Ob alle Leser auf Grund der Globalisierung irgendwann nur noch zu den gleichen Büchern greifen – und wie viele Schriftsteller es dann überhaupt noch geben werde. Ob ein Schriftsteller tatsächlich in einsamer Abgeschiedenheit arbeiten muss oder sich vielleicht nicht doch dem „ohrenbetäubenden Geschnatter von Twitter“ (Seite 15) aussetzen könne – was Jonathan Franzen an anderer Stelle ausschloss. Er fragt, warum manche Leser ein Buch begeistert aufnehmen, was andere total abstoßend finden und bringt einen, wie ich finde, sehr überzeugenden Erklärungsversuch dazu ins Spiel. Weiterlesen

Träumen von Karl Ove Knausgard

traeumenManche Bücher möchte man am liebsten nie, nie wieder aus der Hand legen, wenn man einmal darin eingetaucht ist. So ein Buch ist „Träumen“ von Karl Ove Knausgard für mich geworden. Es landete auf meiner Lesewunschliste, nachdem ich in der TextArt 4/2015 die Buchvorstellung dazu gelesen hatte (Seite 7, falls jemand nachlesen möchte). Ein Besuch in der Buchhandlung meines Vertrauens kurz darauf überraschte mich dahingehend, dass sie das Buch nicht nur vorrätig hatten, sondern einen ganzen Stapel davon auf einem der Tische mitten im Raum präsentierten. Nach ein paar Monaten im Schrank packte ich diesen fünften Band von Knausgards auf sechs Bände angelegte Roman-Autobiografie aus und las ihn mit Begeisterung. Ich muss gestehen, die zuvor erschienenen Bände hatte ich allesamt noch nicht in der Hand. Vielleicht hole ich das noch nach, wer weiß. Die TextArt behielt recht:

„Seine Geschichte gibt auch einen Einblick in das Werden eines Schriftstellers.“

Genau das ist der Part, der mich am meisten fasziniert beim Lesen. Bevor Knausgard seinen ersten Roman veröffentlichte, hatte er immer wieder verschiedene Phasen, was sein Schreiben anging. Weiterlesen

Wie ich zum Lesen kam. #buchpassion

lesendeDass ich gerne lese, dürfte für Leser dieses Blogs keine große Überraschung sein. Wenn du heute zum ersten Mal hier bist: Ja! Ich lese gern!

Warum? Die Frage beantwortete ich einst mit einer Auswahl von Zitaten, die ich dafür passend fand.

Heute möchte ich dir erzählen, wie ich zur Leserin wurde. Mein Weg war ganz klassisch, denke ich, aber so wie die Lebenswege von Menschen meist unterschiedlicher nicht sein können, sind vielleicht auch die Lesewege sehr individuell.

Meiner startete mit einem Besuch im Deutschunterricht. Weiterlesen

[Rezension] Das Café – Jeder braucht einen Ort, an dem er echt sein kann.

Das_CafeSteven Kerner fällt mit seinen 34 Jahren plötzlich aus allen Wolken seines bisher (äußerlich) erfolgreichen Lebens (toller Job, wundervolle Ehefrau und eine Tochter, die sehr wahrscheinlich auf keiner schiefen Bahn landen wird). Als er am Abend des 11. März heimkommt, ist seine Frau Lindsey aufgebracht. Alle ihre Anrufversuche tagsüber waren gescheitert, Steven hatte vergessen, die gemeinsame Tochter Jennifer wie vereinbart von der Schule abzuholen, woraufhin die Elfjährige über eine Stunde vor der Schule wartete und zusehen musste, wie alle anderen Kinder abgeholt wurden. Die geplante Vater-Tochter-Zeit fiel einmal mehr Stevens zeitraubendem Job zum Opfer. Im Verlauf der Diskussion rastet Steven aus. Nicht zum ersten Mal. Am Ende packt Lindsey ihre Koffer und verlässt mit der Tochter das Haus, weil sie Angst vor ihrem Mann hat.

Als ihm Andy Monroe begegnet, ein seltsamer Exzentriker, der sehr persönliche Dinge aus seinem Leben zu wissen scheint, findet Steven endlich Weiterlesen

[Rezension] Der Kuss des Feindes

Der_Kuss_des_FeindesDies ist der erste historische Jugendroman, den ich las. Titus Müller ist bei historischen Romanen sowieso schon lange einer meiner Lieblingsautoren, 2012 legte er seinen ersten für Jugendliche vor.

Der Roman spielt etwa 800 n.C. in Kappadokien, einer Landschaft in der heutigen Türkei.
Arif ist 15 und damit erwachsen. Sein Vater Haroun ist der Führer des arabischen Stammes, in dem sie leben und Arif steht immer im Schatten seines älteren Bruders Utman, der vor einem Jahr als Held starb. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder, der von allen nur „al-Qabih“ („der Hässliche“) genannt wird, ist behindert und wird vom Stamm immer wieder gehänselt und zum Außenseiter gemacht. Der herzensgute Arif aber beschützt ihn, wo es nur geht. Er sehnt sich sehr danach, von seinem Vater anerkannt oder wenigstens wahrgenommen zu werden und steht permanent unter dem Druck, sich beweisen zu müssen. Die Brüder der Familie Zakariyya beanspruchen die Führerung des Stammes für ihre Familie, weil ihre und die Familie Asad seit langer Zeit miteinander verstritten sind. Seit dem Tode Utmans sehen sie gute Chancen dafür und provozieren Arif, wo sie nur können.

Doch die Streitigkeiten innerhalb des Stammes sind nur eine Front. Weiterlesen

LitCamp (3): Das Beste am Schreiben: Überarbeiten

LitCampWeil ich gestern das LitCamp einmal mehr tierisch vermisste, endlich mal wieder ein weiterer Beitrag zu dem Wochenende in Heidelberg, dass nun schon mehr als zwei Wochen vorbei ist. ;-(

Eine sehr unterhaltsame Session führten Anne Weiss & Lisa Bitzer gemeinsam durch. Beide arbeiten als Lektorinnen, eine von ihnen schreibt zusätzlich auch selbst. Sie beleuchteten die Zusammenarbeit zwischen Autor und Lektor etwas näher und hatten dabei so einiges auf Lager. Zum Beispiel:

„Lektor ist ein typischer Korinthenkackerberuf.“

oder auch:

„Wir wollen die Autoren dazu bringen, dass sie ihren Scheiß selber machen.“

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