„Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky

John StreleckyDieses kleine Buch wurde mir recht häufig von verschiedensten Personen empfohlen. Irgendwann war es dann soweit, dass ich es mir gekauft habe. Wann und wo, weiß ich nicht mehr. Jetzt habe ich es aus meinem „Stapel ungelesener Bücher“ befreit und innerhalb von zwei Tagen durchgelesen.

Der Inhalt ist schnell erzählt, denn wirklich viel passiert nicht:

John, der uns als gestresster Manager vorgestellt wird, ist auf dem Weg in eine Urlaubswoche. Er hat sich frei genommen, um Abstand zum Alltag und zu seiner Arbeit zu bekommen. Er ist mit dem Auto unterwegs und gerät auf dem Highway in ein Riesenstau. Nachdem die Polizei von einer Vollsperrung berichtet hat, kehrt er um, verlässt den Highway und verfährt sich hoffnungslos. Auf der Suche nach einer Tankstelle oder einer Möglichkeit, etwas zu essen scheint er sich immer mehr von jeglicher Zivilisation zu entfernen. Als der Tank bedenklich leer ist, sieht er endlich eine einzelne Straßenlampe in einiger Entfernung vor sich und fährt dorthin. Ein kleines Gebäude. Endlich Leben?

John hat Glück: „Das Café der Fragen“ hat sogar geöffnet.

Er verbringt die ganze Nacht in diesem Café, isst und führt vor allem Gespräche. Mit dem Inhaber, der Bedienung und mit einer Dame, die sich als Stammgast des Cafés entpuppt. Am nächsten Morgen macht er sich gestärkt wieder auf den Weg, weiß nun auch, wo die nächste Tankstelle ist, und wie er weiter fahren kann. Vor allem aber hat er Fragen im Kopf, mit deren Beantwortung er sich in seinem Urlaub weiter auseinandersetzen möchte.

Der Kern des ganzen Buches sind die nächtlichen Gespräche. Die wiederum basieren auf Fragen, die auf der Karte des Cafés gestellt werden. Drei Fragen, die – so simpel sie auch klingen -, laut Aussage des Buches die Kraft haben, ein Leben zu verändern.

Wird die Erzählung diesem Anspruch gerecht? Ich weiß es nicht.
Wenn man es liest und sich noch nie zuvor mit der Frage nach dem Sinn des (eigenen) Lebens befasst hat, mag das sein. Für mich sind derartige Fragen nicht komplett neu, daher fand ich nicht all zu viel Unbekanntes darin – nur andere Formulierungen.

Wie ging es mir persönlich beim Lesen?
Sehr gut fand ich den Hinweis im Vorwort, in dem der Autor gleich von Anfang an klarmacht, dass die Realität während der Handlung hin und wieder an ihre Grenzen kommt. Ist es so passiert oder nicht, würde er sich immer mal wieder fragen. Danach ist das Büchlein aber durchgängig wie ein persönlicher Erfahrungsbericht verfasst.
Anfangs war ich leicht gelangweilt, muss ich gestehen. Als John im Café ankommt, wurde so eine „Wohlfühlatmosphäre nach der Irrfahrt“ beschrieben, die ich übertrieben fand. Kurz darauf wurde es ein bisschen spooky, aber da das immer wieder mal auftauchte, gewöhnte ich mich beim Weiterlesen daran. Zwischendurch dachte ich, „alles esoterischer Mist“ und hätte das Buch beinahe beiseite gelegt. Aber als es dann inhaltlich endlich ans Eingemachte ging, fand ich die Gedanken zwar nicht neu, aber trotzdem gut (… und hatte gleich weitere Menschen im Kopf, für die das Buch vielleicht auch etwas sein könnte).

Insgesamt erinnerte es mich ein wenig an Bücher von Sergio Bambaren („Der träumende Delphin“, mehr aber noch an „Ein Strand für meine Träume“), die ich zum Ende meiner Teenagerjahre gelesen habe. Lebensweisheiten in nette Geschichten verpackt.

Empfehlen würde ich die Erzählung vermutlich dennoch. Vor allem eben an Menschen, die sich mit solchen Themen noch nicht sehr eingehend befasst haben. Ein guter Einstieg in die Thematik ist sie allemal.

John Strelecky: „Das Café am Rande der Welt – Eine Erzählung über den Sinn des Lebens“, dtv, 2007. Ich las: 34. Auflage 2017. Übersetzung aus dem Englischen von Bettina Lemke.  128 Seiten für 8,95 Euro. ISBN 978-3-423-20969-4

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