[Rezension] Der Kuss des Feindes

Der_Kuss_des_FeindesDies ist der erste historische Jugendroman, den ich las. Titus Müller ist bei historischen Romanen sowieso schon lange einer meiner Lieblingsautoren, 2012 legte er seinen ersten für Jugendliche vor.

Der Roman spielt etwa 800 n.C. in Kappadokien, einer Landschaft in der heutigen Türkei.
Arif ist 15 und damit erwachsen. Sein Vater Haroun ist der Führer des arabischen Stammes, in dem sie leben und Arif steht immer im Schatten seines älteren Bruders Utman, der vor einem Jahr als Held starb. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder, der von allen nur „al-Qabih“ („der Hässliche“) genannt wird, ist behindert und wird vom Stamm immer wieder gehänselt und zum Außenseiter gemacht. Der herzensgute Arif aber beschützt ihn, wo es nur geht. Er sehnt sich sehr danach, von seinem Vater anerkannt oder wenigstens wahrgenommen zu werden und steht permanent unter dem Druck, sich beweisen zu müssen. Die Brüder der Familie Zakariyya beanspruchen die Führerung des Stammes für ihre Familie, weil ihre und die Familie Asad seit langer Zeit miteinander verstritten sind. Seit dem Tode Utmans sehen sie gute Chancen dafür und provozieren Arif, wo sie nur können.

Doch die Streitigkeiten innerhalb des Stammes sind nur eine Front. Weiterlesen

Das letzte Wort hat die Liebe

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Zugegeben, den Untertitel „Über Himmel und Hölle und das Schicksal jedes Menschen, der je gelebt hat“ fand ich abschreckend. Aber: Das Lesen hat sich definitiv gelohnt!

Autor: Rob Bell (Gründer und Pastor bei Mars Hill in Grand Rapids, Michigan, USA)
dt. Veröffentlichung 2011 im Brunnen Verlag Gießen

Seit einiger Zeit auf der Suche nach einem nicht nur theoretischen, sondern auch emotionalen Verständnis von Gottes Liebe sprang mich der Buchtitel direkt an. Zudem Rob Bell predigen gehört, was in keinster Weise langweilig war, sondern anschaulich, verständlich und sehr kreativ UND neugierig geworden auf das Buch durch einen eher negativen Artikel in einem christlichen Magazin, der etwa zeitgleich mit dem Buch erschien. Wenn Christen anfangen, sich die Köpfe heiß zu reden…

Was ich sehr gut finde: Bell räumt auf mit den Begriffen „Himmel“ und „Hölle“, beziehungsweise unserer Vorstellung davon. Er guckt in die Bibel, prüft in den Sprachen; zeigt auf, dass die Menschen, zu denen Jesus damals redete, eine konkrete Vorstellung hatten. Nicht so ein nebulöses Irgendwo in irgendeinem Jenseits. Nach seinen Ausführungen ist auch klar, warum Bell diese Begriffe tatsächlich nutzt. Stehen lässt.

Was kurz nach der Lektüre vor Allem bei mir hängen geblieben ist:

Jesus ist das Zentrum von Welt und Geschichte, ist Gottes Geheimnis. Und dieses Geheimnis zeigt sich überall auf der Welt. Ganz unabhängig davon, ob Jesus namentlich genannt wird.
Er ist kein Kennzeichen für Gruppenzugehörigkeit; lässt sich in kein religiöses Schema pressen.

„Hölle ist unsere Weigerung, Gottes Neuerzählung unserer Geschichte zu vertrauen.“ (Seite 170)

Gott erzählt jedem:

Du bist wertvoll.
Du bist bedingungslos geliebt.
Dir ist vergeben in Jesus,
Du bist befreit, schön und rein.

Glaube ich das? Oder glaube ich meiner eigenen Version meiner Geschichte, die mir immer wieder zeigt, wie schlecht ich doch bin und dass ich so eine Liebe gar nicht verdient habe?
Habe ich nicht, das stimmt. Gottes Gnade ist es, die mir diese Liebe trotz allem immer wieder schenkt.

Und ein weiteres, in meinen Augen sehr gutes Bild, das Bell verwendet, ist:
Das Evangelium ist keine Eintrittskarte zur Party, sondern das fröhliche Mitfeiern.
Feiernd leben im Hier und Jetzt.
Das will ich.

Ein absolut empfehlenswertes Buch.