[Rezension] Freischwimmer – Meine Geschichte von Sehnsucht, Glauben und dem großen, weiten Mehr

Nach etlichen Romanen fand ich gestern, es sei mal wieder Zeit für ein Sachbuch. Nach einem kurzen Blick in den heimischen Bücherschrank entschied ich mich für den „Freischwimmer“ von Torsten Hebel. Dieses Buch erstanden wir auf Wunsch von Mr. Son auf der Buchmesse im Oktober, nachdem wir einem Interview von Daniel Schneider und Torsten Hebel gelauscht hatten. Und das Buch hat mich umgehauen! Nun las ich es in weniger als zwanzig Stunden durch – natürlich mit den notwendigen Pausen für Essen, Schlafen, das Kind für die Schule präparieren, einmal in die Stadt fahren und zurück, Wäsche waschen et cetera. Trotzdem schon durch. Das passiert mir selten.

FreischwimmerWorum geht es?
Der Autor wurde nach der Schule erst Tischler, dann Schauspieler und schließlich Theologe. Nach verschiedenen beruflichen Stationen war er ein gefragter Redner und Evangelist und sprach viel bei christlichen Jugendevents. Doch irgendwann fühlte sich alles falsch an. Er zweifelte an den genutzen Evangelisationsmethoden, am Glauben an sich und stellte selbst die Existenz Gottes total in Frage. Er hatte seinen Glauben verloren und hatte das Gefühl, irgendwie müsse er zurück. Aber die Antworten, die er bisher für die Fragen im Leben so gehabt hatte, erwiesen sich nicht mehr als tragfähig. Zurück ging also nicht.

Wie also weiter? Er beschloss, mit Menschen zu reden, von denen er dachte, dass sie selbst glauben. Stellte Fragen, sprach offen von seinen Zweifeln und wollte eine Spur finden, auf der er selbst zumindest wieder nach einer Art Glauben suchen konnte. Vom Glaubenden zum Suchenden.

Gemeinsam mit Daniel Schneider (Journalist & Theologe) und Lea Rebecca Wörner (Fotografin) machte er sich auf den Weg und sprach mit verschiedensten Menschen, die er nicht vorwarnte, was auf sie zukommen würde.

Die Gespräche sind in diesem Buch protokolliert, umrahmt von Gedanken, Biografie, Gedanken zu den Gesprächen. Eben eine gedankliche Reise. Ziel offen. Jeder der befragten Menschen (unter anderem Andreas Malessa, Christina Brudereck, Klaus Göttler) reagiert anders auf die Fragen. Manche erzählen mehr, manche hinterfragen mehr – eine spannende Mischung ist entstanden.
Die natürlich inspiriert, selbst zu hinterfragen. Welches Gottesbild habe ich als Leser? Passt das noch?

Persönlich fand ich einiges an neuen Gedanken, was mich freute. Und vom ersten Eindruck zumindest spornt mich diese Lektüre an, tiefer zu graben. Mal sehen, wie lange das anhält. Besonders toll fand ich das Gespräch mit Bettina Becker. Zum einen, weil sie quasi in meiner alten Heimat (Magdeburg) lebt und zum anderen, weil sie im Hinblick auf die sogenannte „Bekehrung“ sagte:

„Jesus spricht davon, dass wir Menschen zu Jüngern machen sollen und nicht zu einmal bekehrten Leuten. Und ich nehme ganz stark an, dass Jesus die Leute selbst einladen kann, ohne dass er mich als Mittlerin braucht. Ich vermute sogar, dass manche Leute Jesus schon längst nachfolgen, ohne es zu wissen, und andere ihm nicht nachfolgen, obwohl sie davon überzeugt sind.“ (Zitat aus dem Buch, Seite 221).

Matth_28_19Dieses Zitat fand ich so stark, dass ich es direkt mit in meine Journaling-Bibel übernahm als Notiz. Und beim Lesen fiel mir da direkt noch ins Auge, dass quasi direkt nach Jesu Auferstehung, als die Jünger ihn noch mal als menschliche Person sahen, einige zweifelten. Wen wundert es also, wenn wir auch heute immer wieder ins Zweifeln kommen?

Das Ende des Buches fand ich überraschend. Wäre es ein Roman, würde ich sagen, „nicht ganz schlüssig“, aber es ist ja ein Sachbuch. Aber eins, das seine Leser mindestens so sehr in seinen Bann ziehen kann, wie ein spannender Roman.

Chapeau! Vielen Dank für Ihre Offenheit, Herr Hebel!

Torsten Hebel & Daniel Schneider: „Freischwimmer – Meine Geschichte von Sehnsucht, Glauben und dem großen, weiten Mehr“,SCM Verlag 2015. 255 Seiten. ISBN 978-3-7751-5645-5

Liebe. Und was wir so nennen.

Liebe – die von Menschen so genannte – ist oft eine Mogelpackung. Sie tritt in unzähligen Variationen auf.

  • Sie „liebt“ ihn. Vergöttert ihn. Rennt ihm hinterher, macht sich selbst klein, passt sich an. Hält ihr Eifern für Liebe.
  • Er „liebt“ sie, heiratet sie. Sie bauen ein Haus, gründen eine Familie. Und doch betrügt er sie immer wieder.
  • Er „liebt“ ihn, sieht in ihm ein Vorbild. So männlich, entschlossen und zielorientiert. Wird selbst immer weicher, spielt seine Rolle.
  • „Liebe machen“ als Synonym für Sex. Obwohl Liebe weitaus mehr ist!

Die „sie“s und „er“s können natürlich auch in komplett anderen Kombinationen auftauchen, versteht mich nicht falsch. Es handelt sich hier nur um ein paar Beispiele, um zu zeigen, was ich meine.

Die beste mir bekannte Definition von Liebe findet sich in der Bibel. Bei Hochzeiten wird sie gern zitiert:

„Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, Weiterlesen

Bürofrei mit Kind im Büro

Er hat wohl ein feines Gespür dafür. Den sechsten Sinn vielleicht?

Mein Kind. Nachdem letzte Woche meine zwei geplanten freien Tage der Betreuung meines Kranken daheim zum Opfer fielen, wurde auch der für heute geplante Nachholtag boykottiert. Gestern gab’s den vorwarnenden Anruf vom Kindergarten: „geh mal davon aus, dass Mr Son wieder krank wird. Er aß nicht, schlief Weiterlesen

Held

Du kennst mein Herz
hast es ja selbst geformt und mich erdacht
halte Du es fest und forme es und mich nach Deinem Willen. Du bist der Größte mir bekannte, mein Held! Und Du kannst auch mich zu Deinem Helden machen. Mir den Mut geben, Deinem Weg zu folgen, mich allein auf Dich zu verlassen. Du bist es, nach dem meine Seele sich sehnt, nach dem mein Herz sich ausstreckt. Will Dich sehen, schmecken, berühren, erleben… Du bist das Wunder, das mein Leben immer wieder bereichert, die Kraft, auf die ich mich verlasse.

Diplomatie versus Ehrlichkeit

Gelesen: Lukas 20,5-7.
Lustigerweise während einer Mittagspause im Büro. Wie passend. Hier die Gedanken, die mir dazu kamen:

Die führenden Leute, die immer was gegen Jesus hatten und die er wegen ihrer Falschheit immer wieder kritisierte, dachten also nach, bevor sie ihm antworteten.

Manchmal wünsche ich mir Weiterlesen