[Rezension] Die Liebenden

Gerhard Henschel, 1962 in Hannover geboren, lebt als freier Schriftsteller bei Berlin (oder bei Hamburg – dazu finden sich verschiedene Angaben). Erste Texte von ihm erschienen Ende der 80er Jahre in Zeitschriften, von 1993 bis 1995 gehörte er der Redaktion vom Satiremagazin „Titanic“ an. Seit 1992 veröffentlichte er diverse Sachbücher, Erzählungen und Romane und wurde unter anderem mit dem Hannelore-Greve-Literaturpreis 2012 ausgezeichnet. Diesen bekamen vor und nach ihm zum Beispiel Siegfried Lenz, Herta Müller und aktuell Hanns-Josef Ortheil. Neben dem eigenen Schreiben übersetzte Gerhard Henschel zudem aus dem Englischen (bisher vor allem gemeinsam mit anderen Übersetzern).

Ein Briefroman! Einmal mehr wieder kam mir dieses Genre zwischen die Finger und einmal mehr erinnert mich die Lektüre daran, dass ich doch schon immer mal Goethes „Werther“ lesen wollte und noch immer nicht dazu kam. An diesen über 700 Seiten las ich fast zwei Monate und schrieb erstmals wieder ein paar Karten, sogar einen sechsseitigen Brief! Soviel schon mal als vorweggenommenes persönliches Fazit – der Roman inspiriert zum Schreiben von Briefen, so richtig mit Papier und Füller und Briefmarke. Wenn das mal nichts ist!

Die_LiebendenViele verschiedene Briefschreiber erzählen sehr persönlich gut fünfzig Jahre deutscher Geschichte. Die Familie Schlosser und die Familie Lüttjes stehen im Mittelpunkt, genauer gesagt (ab etwa Seite 100) Richard Schlosser und Ingeborg Lüttjes. Die beiden werden im Herbst 1950 ein Paar, während Inge in Hannover ihre Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin beendet und Richard dort sein Ingenieursstudium aufnimmt. Zu dem Zeitpunkt haben die beiden (er: Jahrgang 1927, sie: Jahrgang 1929) schon Einiges hinter sich. Beide Familien Weiterlesen