Einladung vom Kind

Kurzmitteilung

Das Kind hat heute einen Auftritt mit dem Chor. Nun möchte es am liebsten mit dem besten Freund den Nachmittag schon im Kurpark verbringen und Wasser von den salzhaltigen Heilquellen trinken.

„Danach können wir ja da noch was machen bei den Stationen im Park! Die drei Stunden kriegen wir bestimmt herum“, versucht er mich zu überzeugen.

„Und was ist mit mir?“, frage ich ihn. Drei Stunden im Park herumhocken klingt jetzt nicht so verlockend…

„Du kannst doch lesen“, ist die Antwort. So einfach.

Dass ich da nicht selbst drauf gekommen bin…

LitCamp (2): „Originäre Schreibthemen finden“

Sessionplan_SamstagIn dieser Session, die Tanja Steinlechner vom Schreibhain anbot, ging es ganz praktisch vor Ort ans Schreiben. Das hat mich im ersten Moment etwas überrascht, aber dann SEHR GEFREUT! [Und wenn ich bedenke, dass Tanja eine Schreibschule leitet, hätte ich mich eigentlich nicht wundern brauchen :-)]

Zu Beginn führte sie aus, dass das eigene Thema mit

  • der Erzählstimme,
  • biografischen Anknüpfungspunkten und
  • Lesevorlieben

zusammenhängt.

Anschließend gab es die erste Übung: Weiterlesen

LitCamp (1): Ein literarischer Höhenflug. Und: „Die Schreibblockade“

Am vergangenen Wochenende gab es das erste „LitCamp“ in Heidelberg, ein Barcamp, das voll und ganz der Literatur gewidmet war. Für mich war ein ein literarischer Höhenflug. Natürlich nicht im Sinne vom Schreiben an sich – wobei selbst das teilweise vorkam -, sondern einfach die Begegnung mit so vielen Menschen, deren Herz für die Literatur schlägt und die auf die eine oder andere Art alle mit Literatur zu tun haben. Immer wieder über Literatur ins Gespräch kommen, unter Gleichgesinnten sein – es war mir ein Fest!

HeidelbergFreitag Abend ging es für einige los mit einem literarischen Spaziergang durch Heidelberg, den Claudia Schmid mit uns durchführte. An einigen Orten erzählte sie uns Wissenswertes zu dieser ersten UNESCO-Literaturstadt in Deutschland. Dabei ging es viel um Martin Luther und was ihn mit der Stadt verband, wobei Claudia netterweise auch ein wenig aus ihrem Roman „Die brennenden Lettern“ las. Für mich klang der Auszug sehr spannend und machte Lust auf mehr. Weiterlesen

[Rezension] Herr Sturm und die Farbe des Windes

HerrSturmUndDieFarbeDesWindes_03Mit einem fulminanten Sprung direkt hinein in diesen Roman beweist Jens Böttcher einmal mehr, dass er ein Wortakrobat vom Feinsten ist. (Wagt auf jeden Fall mal einen Blick auf seine Homepage! Er schreibt wunderbare Texte und Musik!)

Richard Sturm, der den Regen als oft tröstlichen Begleiter in seinem seit drei Jahren recht trostlosen Leben sieht, ist auf dem Weg zu einer Adresse in Hamburg, die er per Brief erhalten hat. Dem voraus ging, dass er auf eine Annonce in der Zeitung geantwortet hatte, in der ein Schriftsteller für einen mysteriösen Auftrag gesucht wurde.

Besonderer Auftrag für interessierten Schriftsteller, der mit der Löschtaste umgehen kann. Exquisites Honorar. (S. 15)

Sturm lernt Herrn Bischoff kennen, der ihm beim ersten Treffen den Auftrag etwas näher bringt. Er solle zwölf Gespräche mit verschiedensten Menschen führen, solle herausfinden, was Weiterlesen

Einfach ansprechen

Im Indoorspielplatz auf einer von drei Damentoiletten. Ein Mädchen kommt herein, geht in die mittlere Kabine.
„Hallo?“, fragt es.
Als ich nicht antworte, wiederholt es sein „Hallo“.
Ich erwider es.
Darauf die Frage: „Wie heißt du?“

Ich hätte es wissen müssen!

Sage nichts.
Nach der Wiederholung der Frage sage ich unwillig: „Ist doch egal.“

Während ich mir die Hände wasche, eine nächste Frage: „Also Egal?“

Kurz darauf geht das Mädchen hinaus. An mir und dem Waschbecken vorbei. Grinst mich an und winkt.
„Tschüssie!“

Ich sage „Tschüß“ und frage mich hinterher, wann auf dem Weg zum Erwachsensein mir diese Unbefangenheit verloren gegangen sein mag.

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Werdet Ihr auch manchmal so von Kindern überrascht? Wie hättet Ihr an meiner Stelle reagiert?
Eigentlich war die Kleine ja ganz süß (wenn man mal vom mangelnden Händewaschen absieht). 🙂

[Kurzgeschichte] Auf zum ersten Date!

RoteSchuhe„Ein Hut, ein Stock, ein alter Mann, vor, zurück, zur Seite ran. Und eins… und zwei… und drei… und… Iiiiiihh!“
Es erklang ein viel zu lautes, schmatzendes Geräusch.
Simone hatte nicht auf den Weg geachtet, war zu bemüht gewesen, ihren Sohn vom Jammern über das lange Laufen abzulenken.
„Nicht heute“ seufzte sie genervt und besah sich ihre Schuhsohle. Sie hatte einen wohlgeformten Abdruck Weiterlesen

[Rezension] Das verborgene Wort

Ulla Hahn, 1946 im Sauerland geboren, wuchs im Rheinland auf. Sie studierte Literaturwissenschaft, Geschichte und Soziologie und promovierte in Germanistik. Nach Lehraufträgen an verschiedenen Universitäten arbeitete sie als Redakteurin für Literatur beim Rundfunk in Bremen. Sie wurde mit zahlreichen Preisen für ihr Werk (vor allem Lyrik) ausgezeichnet, unter anderem mit dem Leonce-und-Lena-Preis 1981. „Das verborgene Wort“ war nach „Ein Mann im Haus“ (1991) ihr zweiter veröffentlichter Roman. Sie lebt mit ihrem Mann in Hamburg.
Das_verborgene_WortDie Hauptfigur in „Das verborgene Wort“ lernen wir auf den etwas über 600 Seiten des Romans sehr gut kennen. 1945 in Dondorf bei Köln geboren, wächst Hildegard Palm in diesem Dorf auf. Der Vater ist ein ungelernter Arbeiter und schuftet hart, um die Familie zu ernähren. Seinen Frust ertränkt er im Alkohol. Die Mutter, die mit den Kindern daheim ist und mit Putz- und Gelegenheitsjobs zur Familienkasse beiträgt, verweist immer auf den Vater, wenn es um erzieherische Maßnahmen geht. Diese fallen oft sehr hart aus, nicht selten gibt es Prügel. Mit im Häuschen wohnen Weiterlesen

Dankbarkeit am Dienstag (26)

Hallo Ihr Lieben,

ganze vier Wochen ist es her, dass ich am Dienstag meine Momente der Dankbarkeit verbloggte? Wahnsinn! Ja, und das Jahr ist fast schon wieder ‚rum. 😉

Heute aber. Heute packe ich es an. Natürlich nicht gesammelt aus dem letzten Monat, aber wenigstens ein bisschen Aktuelles.

GartenIn der letzten Woche verbrachten wir zwei Nachmittage mit unserem kleinen Gartenstück. Im letzten Jahr hatten wir – abgesehen von ein bisschen Unkraut jäten – alles so gelassen, wie es war. Für dieses Jahr hatten wir uns vorgenommen, zumindest mal Kartoffeln unter die Erde zu bringen. Bis Mitte April sei die Zeit gut dafür, sagte der Mann. Mitte April kam und ging. Die Wochenenden waren voll oder verregnet und so warteten die gelieferten Kartoffeln noch ein paar Tage. Aber dann war es so weit Weiterlesen

[Rezension] Die Liebenden

Gerhard Henschel, 1962 in Hannover geboren, lebt als freier Schriftsteller bei Berlin (oder bei Hamburg – dazu finden sich verschiedene Angaben). Erste Texte von ihm erschienen Ende der 80er Jahre in Zeitschriften, von 1993 bis 1995 gehörte er der Redaktion vom Satiremagazin „Titanic“ an. Seit 1992 veröffentlichte er diverse Sachbücher, Erzählungen und Romane und wurde unter anderem mit dem Hannelore-Greve-Literaturpreis 2012 ausgezeichnet. Diesen bekamen vor und nach ihm zum Beispiel Siegfried Lenz, Herta Müller und aktuell Hanns-Josef Ortheil. Neben dem eigenen Schreiben übersetzte Gerhard Henschel zudem aus dem Englischen (bisher vor allem gemeinsam mit anderen Übersetzern).

Ein Briefroman! Einmal mehr wieder kam mir dieses Genre zwischen die Finger und einmal mehr erinnert mich die Lektüre daran, dass ich doch schon immer mal Goethes „Werther“ lesen wollte und noch immer nicht dazu kam. An diesen über 700 Seiten las ich fast zwei Monate und schrieb erstmals wieder ein paar Karten, sogar einen sechsseitigen Brief! Soviel schon mal als vorweggenommenes persönliches Fazit – der Roman inspiriert zum Schreiben von Briefen, so richtig mit Papier und Füller und Briefmarke. Wenn das mal nichts ist!

Die_LiebendenViele verschiedene Briefschreiber erzählen sehr persönlich gut fünfzig Jahre deutscher Geschichte. Die Familie Schlosser und die Familie Lüttjes stehen im Mittelpunkt, genauer gesagt (ab etwa Seite 100) Richard Schlosser und Ingeborg Lüttjes. Die beiden werden im Herbst 1950 ein Paar, während Inge in Hannover ihre Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin beendet und Richard dort sein Ingenieursstudium aufnimmt. Zu dem Zeitpunkt haben die beiden (er: Jahrgang 1927, sie: Jahrgang 1929) schon Einiges hinter sich. Beide Familien Weiterlesen

[Rezension] Briefe von Hans

Susanna Maibaum wurde 1972 geboren und lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Marburg. Sie ist Erzieherin und arbeitet in einem evangelischen Familienzentrum. Außerdem ist sie als Lektorin tätig und schreibt Kinder- und Jugendbücher, mit denen sie auf unterhaltsame Weise Wissen vermitteln möchte. Weitere Bücher von ihr sind „Was passiert mit Hilde Mück?“ (2012) und „Davids Geschichte“ (2014).

Briefe_von_Hans_Cover„Briefe von Hans“ besteht hauptsächlich aus den Briefen der Brüder Hans und Friedrich Bärmann aneinander, die zwischen dem 3. August 1914 und dem 26. April 1917 geschrieben wurden. Hans ist als der Ältere von beiden im ersten Weltkrieg an der Front in Frankreich, während Friedrich mit seinen 14 Jahren noch zur Schule geht. Friedrich ist darüber sehr unglücklich Weiterlesen