90 Minuten im Himmel – von Don Piper

Don Piper. 90 Minuten im Himmel.Da hat jemand einen Autounfall. Das stelle man sich mal vor. Einen richtig bösen. Am Ende einer zweispurigen Brücke, der LKW von der Gegenspur kommt plötzlich rüber, der PKW landet drunter. Die eintreffenden Sanis können nur noch den Tod des Autofahrers feststellen.

Und der ist im Himmel. Wird dort begrüßt von wahnsinnig vielen Menschen, die in seinem Leben Bedeutung hatten. Alle sind glücklich ihn zu sehen und loben Gott. Was genau er da wahrnimmt – in diesen „90 Minuten im Himmel“ -, versucht der Autor zu Beginn seines Erlebnisberichtes in Worte zu fassen. Dass das nur sehr unzureichend gelingen kann, dessen ist er sich bewusst.

„Ich kann mir noch immer nicht ganz erklären, wie, aber die Freude, die an diesem Ort herrschte, löschte alle Fragen aus. Alles war ganz und gar unbeschwert und vollkommen.“ (Don Piper, 90 Minuten im Himmel, Seite 23)

Aber Don Piper darf nicht im Himmel bleiben. Nach 90 Minuten ist er plötzlich wieder zurück im Leben. Weiterlesen

[Rezension] Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen

„Es wird Zeit, alles zu überdenken. Alles.“ (Seite 7) Das sind die ersten Worte in der Einführung von Tim Parks und an diese hält er sich in der vorliegenden Sammlung von Essays. Er unterteilt das Buch in vier Teile mit jeweils sieben bis zehn einzelnen Texten:

  • Die Welt des Buches
  • Das Buch in der Welt
  • Die Welt des Schriftstellers
  • Schreiben rund um die Welt

timparksEr wirft Fragen auf…

…wie die, ob man (gute) Bücher zu Ende lesen muss. Ob man liest, um sein Weltbild zu bestätigen oder zu hinterfragen. Ob alle Leser auf Grund der Globalisierung irgendwann nur noch zu den gleichen Büchern greifen – und wie viele Schriftsteller es dann überhaupt noch geben werde. Ob ein Schriftsteller tatsächlich in einsamer Abgeschiedenheit arbeiten muss oder sich vielleicht nicht doch dem „ohrenbetäubenden Geschnatter von Twitter“ (Seite 15) aussetzen könne – was Jonathan Franzen an anderer Stelle ausschloss. Er fragt, warum manche Leser ein Buch begeistert aufnehmen, was andere total abstoßend finden und bringt einen, wie ich finde, sehr überzeugenden Erklärungsversuch dazu ins Spiel. Weiterlesen

[Rezension] Freischwimmer – Meine Geschichte von Sehnsucht, Glauben und dem großen, weiten Mehr

Nach etlichen Romanen fand ich gestern, es sei mal wieder Zeit für ein Sachbuch. Nach einem kurzen Blick in den heimischen Bücherschrank entschied ich mich für den „Freischwimmer“ von Torsten Hebel. Dieses Buch erstanden wir auf Wunsch von Mr. Son auf der Buchmesse im Oktober, nachdem wir einem Interview von Daniel Schneider und Torsten Hebel gelauscht hatten. Und das Buch hat mich umgehauen! Nun las ich es in weniger als zwanzig Stunden durch – natürlich mit den notwendigen Pausen für Essen, Schlafen, das Kind für die Schule präparieren, einmal in die Stadt fahren und zurück, Wäsche waschen et cetera. Trotzdem schon durch. Das passiert mir selten.

FreischwimmerWorum geht es?
Der Autor wurde nach der Schule erst Tischler, dann Schauspieler und schließlich Theologe. Nach verschiedenen beruflichen Stationen war er ein gefragter Redner und Evangelist und sprach viel bei christlichen Jugendevents. Doch irgendwann fühlte sich alles falsch an. Er zweifelte an den genutzen Evangelisationsmethoden, am Glauben an sich und stellte selbst die Existenz Gottes total in Frage. Er hatte seinen Glauben verloren und hatte das Gefühl, irgendwie müsse er zurück. Aber die Antworten, die er bisher für die Fragen im Leben so gehabt hatte, erwiesen sich nicht mehr als tragfähig. Zurück ging also nicht.

Wie also weiter? Er beschloss, mit Menschen zu reden, von denen er dachte, dass sie selbst glauben. Stellte Fragen, sprach offen von seinen Zweifeln und wollte eine Spur finden, auf der er selbst zumindest wieder nach einer Art Glauben suchen konnte. Vom Glaubenden zum Suchenden.

Gemeinsam mit Daniel Schneider (Journalist & Theologe) und Lea Rebecca Wörner (Fotografin) machte er sich auf den Weg und sprach mit verschiedensten Menschen, die er nicht vorwarnte, was auf sie zukommen würde.

Die Gespräche sind in diesem Buch protokolliert, umrahmt von Gedanken, Biografie, Gedanken zu den Gesprächen. Eben eine gedankliche Reise. Ziel offen. Jeder der befragten Menschen (unter anderem Andreas Malessa, Christina Brudereck, Klaus Göttler) reagiert anders auf die Fragen. Manche erzählen mehr, manche hinterfragen mehr – eine spannende Mischung ist entstanden.
Die natürlich inspiriert, selbst zu hinterfragen. Welches Gottesbild habe ich als Leser? Passt das noch?

Persönlich fand ich einiges an neuen Gedanken, was mich freute. Und vom ersten Eindruck zumindest spornt mich diese Lektüre an, tiefer zu graben. Mal sehen, wie lange das anhält. Besonders toll fand ich das Gespräch mit Bettina Becker. Zum einen, weil sie quasi in meiner alten Heimat (Magdeburg) lebt und zum anderen, weil sie im Hinblick auf die sogenannte „Bekehrung“ sagte:

„Jesus spricht davon, dass wir Menschen zu Jüngern machen sollen und nicht zu einmal bekehrten Leuten. Und ich nehme ganz stark an, dass Jesus die Leute selbst einladen kann, ohne dass er mich als Mittlerin braucht. Ich vermute sogar, dass manche Leute Jesus schon längst nachfolgen, ohne es zu wissen, und andere ihm nicht nachfolgen, obwohl sie davon überzeugt sind.“ (Zitat aus dem Buch, Seite 221).

Matth_28_19Dieses Zitat fand ich so stark, dass ich es direkt mit in meine Journaling-Bibel übernahm als Notiz. Und beim Lesen fiel mir da direkt noch ins Auge, dass quasi direkt nach Jesu Auferstehung, als die Jünger ihn noch mal als menschliche Person sahen, einige zweifelten. Wen wundert es also, wenn wir auch heute immer wieder ins Zweifeln kommen?

Das Ende des Buches fand ich überraschend. Wäre es ein Roman, würde ich sagen, „nicht ganz schlüssig“, aber es ist ja ein Sachbuch. Aber eins, das seine Leser mindestens so sehr in seinen Bann ziehen kann, wie ein spannender Roman.

Chapeau! Vielen Dank für Ihre Offenheit, Herr Hebel!

Torsten Hebel & Daniel Schneider: „Freischwimmer – Meine Geschichte von Sehnsucht, Glauben und dem großen, weiten Mehr“,SCM Verlag 2015. 255 Seiten. ISBN 978-3-7751-5645-5

[Buchvorstellung] Neun Wege Gott zu lieben

Wenn du seit einer Weile Christ bist mit Jesus lebst, stellst du vielleicht fest, dass dir manche Dinge, die Gläubige tun, „viel geben“ – dich berühren -, während anderes dich kalt lässt. Vielleicht fragst du dich, warum jemand begeistert von der Bibel ist, während deine meist im Regal steht. Oder du bist in einem Gottesdienst und die Leute beginnen beim Lobpreis, die Hände zu heben, manche klatschen, einige wenige tanzen Weiterlesen