Wie ich den NaNoWriMo dieses Jahr in den Sand setzte.

Eins vorweg: Nein, ich will nicht jammern. Und ich will auch kein Mitleid. Ich möchte einfach nur sagen, dass ich für diesen November raus bin aus der Nummer.

Als ich merkte, dass das bisschen Plot, was ich am Monatsanfang noch zustande gebracht hatte, mich nicht zu den 50000 Worten tragen würde, wurde es schleppend. Zwischendurch kamen zwar neue Ideen, aber alle hätten viel Zeit für Recherche erfordert. Die hatte ich nicht.

Also fing ich irgendwann an zu schummeln. Weiterlesen

Ich lebe noch. Oder: „Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben“

Ja, seit der Buchmesse und meinen letzten Blogartikeln verging gefühlt eine Menge Zeit. Das Jahr neigt sich dem Ende, der erste Schnee fiel bereits, blieb zum Glück aber noch nicht liegen. Im Moment schneit es schon wieder. Richtig dicke Flocken. Ich sehe sie von meinem Platz auf dem Sofa, wo ich gerade schreibe, sobald ich den Kopf ein wenig nach links drehe und aus dem Fenster schaue.

Ende Oktober wollte ich mich eigentlich auf den NaNoWriMo vorbereiten. Natürlich – wie immer – viel zu spät, aber zumindest nicht erst zwei Tage vorher, Weiterlesen

Träumen von Karl Ove Knausgard

traeumenManche Bücher möchte man am liebsten nie, nie wieder aus der Hand legen, wenn man einmal darin eingetaucht ist. So ein Buch ist „Träumen“ von Karl Ove Knausgard für mich geworden. Es landete auf meiner Lesewunschliste, nachdem ich in der TextArt 4/2015 die Buchvorstellung dazu gelesen hatte (Seite 7, falls jemand nachlesen möchte). Ein Besuch in der Buchhandlung meines Vertrauens kurz darauf überraschte mich dahingehend, dass sie das Buch nicht nur vorrätig hatten, sondern einen ganzen Stapel davon auf einem der Tische mitten im Raum präsentierten. Nach ein paar Monaten im Schrank packte ich diesen fünften Band von Knausgards auf sechs Bände angelegte Roman-Autobiografie aus und las ihn mit Begeisterung. Ich muss gestehen, die zuvor erschienenen Bände hatte ich allesamt noch nicht in der Hand. Vielleicht hole ich das noch nach, wer weiß. Die TextArt behielt recht:

„Seine Geschichte gibt auch einen Einblick in das Werden eines Schriftstellers.“

Genau das ist der Part, der mich am meisten fasziniert beim Lesen. Bevor Knausgard seinen ersten Roman veröffentlichte, hatte er immer wieder verschiedene Phasen, was sein Schreiben anging. Weiterlesen

[Rezension] Das Café – Jeder braucht einen Ort, an dem er echt sein kann.

Das_CafeSteven Kerner fällt mit seinen 34 Jahren plötzlich aus allen Wolken seines bisher (äußerlich) erfolgreichen Lebens (toller Job, wundervolle Ehefrau und eine Tochter, die sehr wahrscheinlich auf keiner schiefen Bahn landen wird). Als er am Abend des 11. März heimkommt, ist seine Frau Lindsey aufgebracht. Alle ihre Anrufversuche tagsüber waren gescheitert, Steven hatte vergessen, die gemeinsame Tochter Jennifer wie vereinbart von der Schule abzuholen, woraufhin die Elfjährige über eine Stunde vor der Schule wartete und zusehen musste, wie alle anderen Kinder abgeholt wurden. Die geplante Vater-Tochter-Zeit fiel einmal mehr Stevens zeitraubendem Job zum Opfer. Im Verlauf der Diskussion rastet Steven aus. Nicht zum ersten Mal. Am Ende packt Lindsey ihre Koffer und verlässt mit der Tochter das Haus, weil sie Angst vor ihrem Mann hat.

Als ihm Andy Monroe begegnet, ein seltsamer Exzentriker, der sehr persönliche Dinge aus seinem Leben zu wissen scheint, findet Steven endlich Weiterlesen

[Rezension] Der Kuss des Feindes

Der_Kuss_des_FeindesDies ist der erste historische Jugendroman, den ich las. Titus Müller ist bei historischen Romanen sowieso schon lange einer meiner Lieblingsautoren, 2012 legte er seinen ersten für Jugendliche vor.

Der Roman spielt etwa 800 n.C. in Kappadokien, einer Landschaft in der heutigen Türkei.
Arif ist 15 und damit erwachsen. Sein Vater Haroun ist der Führer des arabischen Stammes, in dem sie leben und Arif steht immer im Schatten seines älteren Bruders Utman, der vor einem Jahr als Held starb. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder, der von allen nur „al-Qabih“ („der Hässliche“) genannt wird, ist behindert und wird vom Stamm immer wieder gehänselt und zum Außenseiter gemacht. Der herzensgute Arif aber beschützt ihn, wo es nur geht. Er sehnt sich sehr danach, von seinem Vater anerkannt oder wenigstens wahrgenommen zu werden und steht permanent unter dem Druck, sich beweisen zu müssen. Die Brüder der Familie Zakariyya beanspruchen die Führerung des Stammes für ihre Familie, weil ihre und die Familie Asad seit langer Zeit miteinander verstritten sind. Seit dem Tode Utmans sehen sie gute Chancen dafür und provozieren Arif, wo sie nur können.

Doch die Streitigkeiten innerhalb des Stammes sind nur eine Front. Weiterlesen

[Rezension] Herr Sturm und die Farbe des Windes

HerrSturmUndDieFarbeDesWindes_03Mit einem fulminanten Sprung direkt hinein in diesen Roman beweist Jens Böttcher einmal mehr, dass er ein Wortakrobat vom Feinsten ist. (Wagt auf jeden Fall mal einen Blick auf seine Homepage! Er schreibt wunderbare Texte und Musik!)

Richard Sturm, der den Regen als oft tröstlichen Begleiter in seinem seit drei Jahren recht trostlosen Leben sieht, ist auf dem Weg zu einer Adresse in Hamburg, die er per Brief erhalten hat. Dem voraus ging, dass er auf eine Annonce in der Zeitung geantwortet hatte, in der ein Schriftsteller für einen mysteriösen Auftrag gesucht wurde.

Besonderer Auftrag für interessierten Schriftsteller, der mit der Löschtaste umgehen kann. Exquisites Honorar. (S. 15)

Sturm lernt Herrn Bischoff kennen, der ihm beim ersten Treffen den Auftrag etwas näher bringt. Er solle zwölf Gespräche mit verschiedensten Menschen führen, solle herausfinden, was Weiterlesen

[Rezension] Das verborgene Wort

Ulla Hahn, 1946 im Sauerland geboren, wuchs im Rheinland auf. Sie studierte Literaturwissenschaft, Geschichte und Soziologie und promovierte in Germanistik. Nach Lehraufträgen an verschiedenen Universitäten arbeitete sie als Redakteurin für Literatur beim Rundfunk in Bremen. Sie wurde mit zahlreichen Preisen für ihr Werk (vor allem Lyrik) ausgezeichnet, unter anderem mit dem Leonce-und-Lena-Preis 1981. „Das verborgene Wort“ war nach „Ein Mann im Haus“ (1991) ihr zweiter veröffentlichter Roman. Sie lebt mit ihrem Mann in Hamburg.
Das_verborgene_WortDie Hauptfigur in „Das verborgene Wort“ lernen wir auf den etwas über 600 Seiten des Romans sehr gut kennen. 1945 in Dondorf bei Köln geboren, wächst Hildegard Palm in diesem Dorf auf. Der Vater ist ein ungelernter Arbeiter und schuftet hart, um die Familie zu ernähren. Seinen Frust ertränkt er im Alkohol. Die Mutter, die mit den Kindern daheim ist und mit Putz- und Gelegenheitsjobs zur Familienkasse beiträgt, verweist immer auf den Vater, wenn es um erzieherische Maßnahmen geht. Diese fallen oft sehr hart aus, nicht selten gibt es Prügel. Mit im Häuschen wohnen Weiterlesen

[Rezension] Die Liebenden

Gerhard Henschel, 1962 in Hannover geboren, lebt als freier Schriftsteller bei Berlin (oder bei Hamburg – dazu finden sich verschiedene Angaben). Erste Texte von ihm erschienen Ende der 80er Jahre in Zeitschriften, von 1993 bis 1995 gehörte er der Redaktion vom Satiremagazin „Titanic“ an. Seit 1992 veröffentlichte er diverse Sachbücher, Erzählungen und Romane und wurde unter anderem mit dem Hannelore-Greve-Literaturpreis 2012 ausgezeichnet. Diesen bekamen vor und nach ihm zum Beispiel Siegfried Lenz, Herta Müller und aktuell Hanns-Josef Ortheil. Neben dem eigenen Schreiben übersetzte Gerhard Henschel zudem aus dem Englischen (bisher vor allem gemeinsam mit anderen Übersetzern).

Ein Briefroman! Einmal mehr wieder kam mir dieses Genre zwischen die Finger und einmal mehr erinnert mich die Lektüre daran, dass ich doch schon immer mal Goethes „Werther“ lesen wollte und noch immer nicht dazu kam. An diesen über 700 Seiten las ich fast zwei Monate und schrieb erstmals wieder ein paar Karten, sogar einen sechsseitigen Brief! Soviel schon mal als vorweggenommenes persönliches Fazit – der Roman inspiriert zum Schreiben von Briefen, so richtig mit Papier und Füller und Briefmarke. Wenn das mal nichts ist!

Die_LiebendenViele verschiedene Briefschreiber erzählen sehr persönlich gut fünfzig Jahre deutscher Geschichte. Die Familie Schlosser und die Familie Lüttjes stehen im Mittelpunkt, genauer gesagt (ab etwa Seite 100) Richard Schlosser und Ingeborg Lüttjes. Die beiden werden im Herbst 1950 ein Paar, während Inge in Hannover ihre Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin beendet und Richard dort sein Ingenieursstudium aufnimmt. Zu dem Zeitpunkt haben die beiden (er: Jahrgang 1927, sie: Jahrgang 1929) schon Einiges hinter sich. Beide Familien Weiterlesen

[Rezension] Eine Weltgeschichte in 33 Romanen

Eine_WeltgeschichteDer Autor
Markus Gasser, 1967 in Bregenz geboren, studierte Anglistik / Amerikanistik und Germanistik in Innsbruck und promovierte 1996 zum Doktor der Philosophie. Später arbeitete er einige Jahre als Lehrer an einem Gymnasium bei Wien, bevor er sich 2007 habilitierte. In Innsbruck und Saarbrücken lehrt er heute auch über die Weltliteratur, lebt aber in Zürich und arbeitet weiterhin als Literaturkritiker und Essayist mit Beiträgen für die FAZ und die Weltwoche.

Das Buch
Das vorliegende Buch könnte man leichthin als einen weiteren Literaturkanon abtun, aber das ist es nicht. In jedem Kapitel bringt Markus Gasser dem Leser entweder das Leben des Autors, den Inhalt des betreffenden Romans oder gar beides näher. Und das immer auf hervorragende, wortstarke Art und Weise.
Durch die Form eher ein Sachbuch, liest sich das Werk trotzdem genauso flüssig und unterhaltsam wie ein Roman. Und macht in den meisten Fällen Lust, den vorgestellten Roman tatsächlich Weiterlesen

[Rezension] Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

DieSonderbareBuchhandlungDesMrPenumbraAutor:
Robin Sloan, 1979 in der Nähe von Detroit geboren, studierte Wirtschaftswissenschaften an der Michigan State University. Er lebt in San Francisco und arbeitete für verschiedene Firmen, die sich dem Internet verschrieben haben, unter anderem Twitter. 2012 erschien sein Debutroman „Mr. Penumbra’s 24-hour-bookstore“ in den USA und wurde sofort ein Bestseller. Den Entwurf für seinen nächsten Roman hat er inzwischen beendet, mal sehen, wann der veröffentlicht wird.

Inhalt:
Clay Jannon, eigentlich Webdesinger, ist wegen der Lebensmittelkrise arbeitslos. Zufällig stößt er bei seiner Jobsuche auf eine Buchhandlung mit dem alten verschobenen Besitzer Penumbra. Schnell bekommt er heraus, dass diese Buchhandlung ein Geheimnis birgt und versucht gemeinsam mit Freunden, dies zu ergründen. Was hat es mit den sogenannten Logbüchern auf sich? Weiterlesen