Ich lebe noch. Oder: „Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben“

Ja, seit der Buchmesse und meinen letzten Blogartikeln verging gefühlt eine Menge Zeit. Das Jahr neigt sich dem Ende, der erste Schnee fiel bereits, blieb zum Glück aber noch nicht liegen. Im Moment schneit es schon wieder. Richtig dicke Flocken. Ich sehe sie von meinem Platz auf dem Sofa, wo ich gerade schreibe, sobald ich den Kopf ein wenig nach links drehe und aus dem Fenster schaue.

Ende Oktober wollte ich mich eigentlich auf den NaNoWriMo vorbereiten. Natürlich – wie immer – viel zu spät, aber zumindest nicht erst zwei Tage vorher, wie es sonst meistens war. Es ist für mich das vierte Jahr, in dem ich an diesem unfassbar spannenden Schreibprojekt teilnehme, bei dem Menschen auf der ganzen Welt versuchen, von null auf 50.000 Worte zu kommen, während sie ihren „schmutzigen ersten Entwurf“ eines Romans schreiben. Diese Anzahl an Worten in 30 Tagen zu schaffen, bedeutet, jeden Tag ca. 1700 Worte zu schreiben. Vorausgesetzt, man kann tatsächlich an jedem der 30 Tage schreiben, was allein schon eine Herausforderung ist. Wenn noch Termine dazukommen, die man nicht absagen kann, wird es irgendwann eng.

Ich wollte mich also vorbereiten. (Indem ich das im letzten November Geschriebene in Ruhe durchlese und auswerte hinsichtlich der erschriebenen Infos zu Charakteren, Handlungsorten und der zeitlichen Abfolge.) Was passierte? Ich wurde krank und lag mit Fieber im Bett. Bravo!

Als es gesundheitlich wieder ging, hatte der November schon begonnen und ich war noch nicht mal mit diesem auswertenden Lesen fertig, geschweige denn hätte ich mir Gedanken machen können, wie es weiter gehen könnte mit der Geschichte. Also gingen die ersten Tage hauptsächlich dafür drauf und ich begann erst am dritten November so richtig mit dem Schreiben. (Im vergangenen Jahr hatten wir in der Ferienwoche Urlaub und ich fing noch später „so richtig“ an, daher habe ich noch Hoffnung für dieses Jahr.)

16-11-11_statistik_tag_11Eine Woche mit Schreibtagen liegt jetzt hinter mir und so langsam kommt wieder Gewohnheit rein. So einen richtig festen Rhythmus gibt es zwar noch nicht, aber zumindest die 1600 Worte schaffte ich bisher, außer am Wochenende. Um mir die weiteren Wochenenden schreibfrei halten zu können, müssten es fast 3000 Worte pro Wochentag sein, was bisher aber nicht funktionierte.

Warum erzähle ich Euch das Ganze? Nun, vor allem, damit Ihr Euch nicht wundert, dass es hier (schon wieder) nicht viel Neues zu lesen gibt. Denn zum Lesen komme ich neben dem Schreiben nicht auch noch. Wenn, dann eher zu Recherchezwecken und kaum zum Vergnügen.

Ein Buch möchte ich dennoch gern empfehlen – vor allem Leuten, die gerne Bücher über das Schreiben lesen. Ich las es Ende Oktober, nachdem ich es nach langer Suche irgendwann antiquarisch gefunden hatte:

„Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben“

vomabenteuereinenromanzuschreibenvon Titus Müller. Die gebundene Ausgabe aus der „Textmanufaktur“ von 2010 gibt es nur hin und wieder gebraucht zu erwerben. Dafür gibt es inzwischen ein überarbeitetes Taschenbuch, was man seit 2015 erwerben kann (ISBN: 978-3737527347).

Ich fand viele tolle Zitate von recht erfolgreichen Autoren, die zeigen, dass alle nur mit Wasser kochen. Dass selbst Autoren, die schon einige Romane veröffentlicht haben, sich morgens manchmal zwingen müssen, sich überhaupt erst an den Schreibtisch zu setzen, bevor sie anfangen zu schreiben. Ich fand das sehr ermutigend. Einige Fragen zum Handwerk des Schreibens werden angerissen, bei einem so dünnen Buch kann es natürlich kein ausführliches Handbuch sein. Persönlich nahm ich mir vor allem daraus mit, dass die Figurenentwicklung eines der wichtigsten Themen ist, wenn man einen Roman anfängt zu planen. Die hab ich bisher sehr vernachlässigt, werde also auch nach dem November definitiv weitere Hausaufgaben haben. Es gibt im Buch außerdem Interviews mit Rebecca Gablé, Andreas Eschbach und Kai Meyer. Dass Autoren sehr unterschiedlich arbeiten, war mir schon vor dem Lesen klar, aber diese Interviews lieferten dafür sehr gute Beispiele.

Für den NaNoWriMo fand ich diesen Satz sehr passend:

„Ich erwarte von der ersten Fassung keine Perfektion. Ihr einziger Sinn ist es, dass ich mir wie ein Töpfer einen Klumpen Ton auf die Drehscheibe klatsche.“ (S. 20 in der gebundenen Ausgabe. ISBN: 978-3942247009)

Also: Ein fröhliches Schreiben allen Teilnehmern und falls Ihr Zweifel habt und ein bisschen Zuspruch gebrauchen könnt, schnappt Euch das Buch! In der Leseprobe könnt Ihr Euch natürlich erstmal davon überzeugen, bevor Ihr zuschlagt. 😉

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