Wie ich zum Lesen kam. #buchpassion

lesendeDass ich gerne lese, dürfte für Leser dieses Blogs keine große Überraschung sein. Wenn du heute zum ersten Mal hier bist: Ja! Ich lese gern!

Warum? Die Frage beantwortete ich einst mit einer Auswahl von Zitaten, die ich dafür passend fand.

Heute möchte ich dir erzählen, wie ich zur Leserin wurde. Mein Weg war ganz klassisch, denke ich, aber so wie die Lebenswege von Menschen meist unterschiedlicher nicht sein können, sind vielleicht auch die Lesewege sehr individuell.

Meiner startete mit einem Besuch im Deutschunterricht. Ich war gerade ein Zwerg in der zweiten Klasse, es war kurz nach der Wende. Gott sei Dank! Mit meiner Klassenlehrerin hatte ich damals großes Glück und so kam es wohl, dass eines Tages eine Dame aus der Stadtbücherei bei uns zu Gast war. Im Klassenzimmer. Sie setzte sich – zumindest in meiner Erinnerung, die mich durchaus täuschen könnte – auf den Lehrertisch! Jedes Kind hätte dafür einen Anranzer kassiert. Auch unsere Lehrer damals bemühten sich, immer mit gutem Beispiel voranzugehen. Ich war fasziniert.

Die gute Frau holte ein Buch raus, las ein paar Passagen daraus vor und sprach mit uns darüber. Die Lehrerin hielt sich dezent im Hintergrund, es sei denn, „ihre Pappenheimer“ wurden so laut, dass es störte. Ich war voll dabei – auch wenn ich heute keinerlei Ahnung mehr habe, welches Buch damals im Mittelpunkt stand. In der nächsten Stunde gingen wir als ganze Klasse in die Kinderbücherei. Meine Eltern hatten daheim auch nicht wenige Bücher, aber das war eine ganz andere Nummer. Es gab eine kleine Führung, an deren Ende wir einen ersten Hauch von Orientierung hatten, wo welche Art von Büchern stand. Zum Abschied bekam jedes Kind eine Karte in die Hand gedrückt. „Ihr könnt jederzeit wiederkommen und euch Bücher zum Lesen aussuchen, wenn ihr wollt“, sagte die Dame. Einige Kinder meckerten. „Aber eure Eltern müssen vorher diese Anmeldung für euch ausfüllen.“

Es ging zurück in die Schule für den Rest des Unterrichts und als ich mittags heim kam, wedelte ich meiner Mutter mit der Karte vor dem Gesicht herum: „Das müsst ihr ausfüllen!“, forderte ich lautstark. (Zu gut hatte ich noch die Anmeldeverweigerung in Sachen „Jungpioniere“ aus der ersten Klasse vor Augen, wegen der ich das einzige Kind ohne schickes blaues Halstuch in meiner Klasse blieb. Damals ärgerte ich mich wahnsinnig darüber, heute bin ich froh, dass meine Eltern Rückgrat zeigten.)
Verwundert nahm ich die Antwort zur Kenntnis: „Aber klar, wenn du möchtest.“
Verstehe ein Kind seine Eltern – heute so, morgen so.

Ich bekam also die Erlaubnis und stand noch am selben Nachmittag erneut staunend vor den unendlich großen Regalen. (Zwergen-Sicht. Nur zur Sicherheit nochmal…) Die Dame vom Vormittag war noch immer da. In den folgenden Jahren wurde sie mir „Lesemama“. Zumindest nannte sie viele von „uns“ liebevoll „ihre Lesekinder“, was mich immer wieder freute.

Anfangs war ich etwa einmal pro Woche in der Bücherei. Brachte gelesene Bücher und gehörte Kassetten zurück und lieh neue aus. Aber bald schon blieb ich länger bei meinen Besuchen dort. Freute mich, wenn ich helfen durfte. Wuchs jedesmal einen halben Meter. Bestimmt! Wenn andere Leser die Schätze zurückbrachten und die Formalitäten erledigt waren, suchte ich die entsprechenden Regale und sortierte die Bücher wieder zurück an ihren Stammplatz. Dass ich das Alphabet auf diese Weise schnell aus dem Effeff beherrschte, versteht sich von selbst.

Und wenn ich mal nicht in die Bibliothek ging, liefen meine Nachmittage meist so ab:

  • heimkommen aus der Schule
  • Mittagessen
  • Hausaufgaben erledigen
  • endlich lesen
  • Abendessen
  • Schlafenszeit

Es sei denn, meine Eltern waren der Meinung, ich „müsse mal wieder raus“ und schickten mich zu den anderen Kindern auf den Hof.

Was ich damals so las? Anfangs hielt ich mich brav an die Beschriftungen mit Altersempfehlungen an den Regalen. Pferdebücher, Hanni & Nanni… Schließlich wurden TKKG und die 5 Freunde meine Favoriten. Als ich schließlich entdeckt hatte, dass ich auch einfach die Bücher lesen kann, die erst zwei Jahre später „erlaubt“ waren, wurde die Auswahl größer. Jugend- oder Liebsromane von Brigitte Blobel begleiteten mich dann regelmäßig heim und zum Beispiel die Trotzkopf-Bücher. Es gab auch einen Haufen Bücher unter denen, die ich verschlang, in denen die Mädchen Primaballerina werden wollten. Die waren auch eine Zeitlang der Hit, aber da ich so eine Tanzschule nie hätte besuchen können, verlor das Thema wieder seinen Reiz.

Ich bin jedenfalls froh, dass es die Möglichkeit gibt, Bücher auszuleihen und damit im Lesen ein interessantes und zugleich kostengünstiges Hobby zu finden. Auch, wenn ich inzwischen meine Bücher in den meisten Fällen kaufe, um ungeniert in ihnen markieren und notieren zu können.

Ein Hoch auf die Büchereien! Ein Hoch auf Autoren, Lektoren und Verlage! Ein Hoch auf hingebungsvolle Buchhändler!

Ein Hoch auf das Buch!

Falls du Lust auf Kommentare hast, hier eine Frage:
Ist das so der klassische Weg zum Booklover?
Wie ging es dir selbst, kannst du dich daran erinnern?

Mit diesem Beitrag nehme ich an der Aktion #buchpassion – Mein Bekenntnis zum Buch teil, die Janine vom Blog kapri-ziös ins Leben gerufen und ganz wunderbar organisiert hat.

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11 Gedanken zu „Wie ich zum Lesen kam. #buchpassion

  1. Pingback: #buchpassion – Edition: Mein Bekenntnis zum Buch 9.-11.9.2016

    • Liebe Anyah, Danke Dir! Als ich den Artikel gestern schrieb, hab ich mir direkt überlegt, ihr den Post auszudrucken und per Post zu schicken. Sie ist nach wie vor in der Bücherei meiner Heimatstadt und macht einen phantastischen Job! Es ist schön, wenn man Menschen trifft, die einen auf eine so charmante Art ans Lesen heranführen. Ein großer Gewinn. Liebe Grüße, Frauke

  2. Liebe Frauke,

    vielen lieben Dank für deinen Beitrag! <3 Es macht mir so viel Freude, die ganzen Geschichten ums Lesen nachzufühlen.
    Von dem, was ich bisher gelesen oder gehört habe von Freunden/Bekannten gibt es keinen klassischen Weg zum Buch. Beziehungsweise es gibt nur eine Gemeinsamkeit: Es gab immer eine bestimmte Person, die Literatur näher brachte und die "Angst" nahm.

    Ich habe die Geschichte, wie ich zur Literatur fand schon im Frühjahr aufgeschrieben für eine andere Bloggeraktion (#warumichlese von novelero): http://kapri-zioes.de/2053/wie-ich-mich-an-einem-verregneten-tag-im-juni-ins-lesen-verliebte/

    Buchige Grüße,
    Janine

    • Liebe Janine,
      Danke Dir für Deine lieben Worte. Ja, am Ende sind es wohl die Menschen, die einem die Liebe zu den Büchern beibringen können.
      Danke für den Lesetipp! Da geh ich doch gleich mal gucken! 🙂
      Ganz liebe Grüße und vielen Dank für die tolle Aktion!
      Frauke

  3. Liebe Frauke,
    Deine „Lesemama“ finde ich toll. Leider gab es die bei mir damals nicht. Aber da meine Mutter auch als Kind schon gerne gelesen hat, habe ich das vllt in meinen Genen 🙂 Ich habe schon früh alles gelesen was ich kriegen konnte. Und zu Geburtstagen, Weihnachten u. ä. habe ich mir immer Bücher gewünscht. Ich habe noch meine Pucki- und Goldköpfchen Bücher. Agent Lernen und die Geheimnis um….Bücher von Enid Blyton habe ich geliebt. Ich glaube mein erstes Buch in Schreibschrift hieß „Ute mit der Tute“ :-D. Da lag ich im Krankenhaus mit 6 Jahren und habe es geschenkt bekommen. Das ist jetzt 46 Jahre her. Hammer, wenn ich drüber nachdenke. Und ich lese heute noch Bücher und finde es toll in großen und kleinen Buchläden zu stöbern. Dort könnte ich Stunden bleiben. Bevor das ein Roman wird 🙂 höre ich jetzt hier auf. Ich finde Deine Geschichte toll liebe Frauke und wie Du heute mit Literatur lebst. Mach weiter so.
    Elke

    • Danke, liebe Elke! Schön, dass Dich das Lesen auch so begleitet im Leben. Ich wünsche mir, dass mir dieses Hobby auch viele weitere Jahre erhalten bleibt. Und Dir weiter viele geniale Lesestunden und tolle Entdeckungen in der Buchwelt.
      Ganz liebe Grüße,
      Frauke

  4. Die Trotzkopfbücher kenne ich auch. Die habe ich mal von meiner Oma zu irgendeinem Geburtstag bekommen. Und ich fand sie toll. Auch die Streifzüge, die ich allein durch die Regale der Stadtbibliothek unternehmen konnte direkt nach der Schule haben sicherlich ihren Beitrag dazu geleistet, dass ich gern und viel lese.

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