Mein Lieblingsbuch? Die Bibel.

„Ernsthaft?!“, denkst Du jetzt vielleicht und erinnerst Dich womöglich mit Erschrecken an staubtrockenen Konfi- oder Kommunionsunterricht in der Kindheit.

Aber: Ja. Ernsthaft.

Zwischen all den Büchern, die sich in allerlei Schränken, Regalen und Umzugskartons bei uns tummeln, gibt es dieses eine, zu dem ich immer wieder zurückkehre. Mal erst nach so langer Zeit, dass es schon Staub angesetzt hat, mal täglich. Phasenweise eben.

Im Laufe meiner Lesejahre nahm ich die Bibel – in verschiedensten Übersetzungen – wohl am häufigsten in die Hand. Sei es, um etwas nachzuschlagen (was inzwischen online natürlich hervorragend funktioniert) oder einfach nur so zum Lesen oder in der Hoffnung, Gott irgendwie „reden zu hören“. Und das war immer wieder spannend.

Früher nahm ich meist verschiedene Andachtsbücher zuhilfe, las den Text und dann die angegebenen Bibelverse dazu. Komplett durchgelesen hab ich dieses dicke Buch noch nicht. Anfang 2013 beschloss ich, dass sich das ändern müsse und startete mein privates kleines Projekt „die Bibel bücherweise“. Dafür teilte ich mir die ganzen Bücher (66 ohne Apokryphen) in drei Teile auf. Zwei im Alten Testament, das Neue Testament als ein Teil. Und fing einfach an. Mal ein Buch aus dem ersten Teil, dann eins aus dem zweiten gefolgt von einem aus dem dritten. Immer mal mit Variationen, aber im großen und ganzen hielt ich mich daran. Denn von vorne bis hinten an einem Stück zu lesen wäre mir vermutlich auf Dauer ein bisschen langweilig gewesen. Dieses Vorgehen begann ich einfach mit der Luther-Übersetzung (revidierte Fassung von 1984), die ich zu dem Zeitpunkt nutzte. Im Laufe des Lesens fielen mir einzelne Worte auf, die ich von da an immer suchte und markierte. So male ich auf jedes „liebe / lieblich / lieben / Liebe / geliebte“ im Text ein kleines rotes Herz und immer, wenn „Herz / herzlich / Barmherzigkeit“ oder ähnliches auftaucht, zeichne ich ein kleines Herz an den Seitenrand. So kann das dann aussehen:

bibel_herzenEigentlich ist es ja gemein, sich die Bibel als Lieblingsbuch auszusuchen, denn im Prinzip ist es ja eine ganze Bibliothek zwischen diesen zwei Buchdeckeln. Müsste ich mich für eins von allen entscheiden, würde ich vermutlich Prediger Salomo / Kohelet wählen. „Es ist alles ganz eitel“ oder „es geschieht nichts Neues unter der Sonne“ sind Sätze aus dem ersten Kapitel, die ich sehr mag. Und spätestens im Barock fanden diese Worte mit Andreas Gryphius einen weiteren Fürsprecher. Umso mehr verwundert es mich, wenn von Literaturkritikern immer wieder gern das fehlende Novum in einem Roman bemängelt wird. Alles wurde schon gesagt, höchstens mit anderen Worten. Und nun?

Abgesehen von diesem Buch beeindrucken mich die Geschichten von Esther, Ruth und Hiob besonders. Mut, Liebe, Vertrauen, aber auch Verlust und Trauer sind hier große Themen. Und sind das nicht auch immer wieder die großen Themen, die uns im Leben an der einen oder anderen Station packen, uns begleiten und uns einiges abverlangen?

Ich muss gestehen: Ich habe hin und her überlegt, ob ich das bringen kann. Die Frage nach meinem Lieblingsbuch mit der Bibel zu beantworten. Riskiere ich damit nicht so einiges? Zumindest, für nicht ganz voll genommen zu werden? Mag sein. Aber wie ich es auch drehe und wende, dieses Buch ist nun mal die Antwort, die sich mir auf diese Frage immer wieder aufdrängt.

Nun dürft ihr über meinen Beitrag herfallen.

Mit dem beteilige ich mich übrigens an der Blogparade „Lieblingsbuch“, an der ihr noch bis Ende September teilnehmen könnt. Bisher fand ich schon weitere Beiträge bei Eva-Maria, Nine, Janine, Rosa, Moony und natürlich bei Diana selbst. Schaut doch mal vorbei!

Die Bibelausgabe, die ich momentan lese, ist diese:
„DIE BIBEL nach der Übersetzung Martin Luthers“, Deutsche Bibelgesellschaft, 2006. 1295 Seiten für 17,99 Euro. ISBN 978-3-438-01501-3

11 Gedanken zu „Mein Lieblingsbuch? Die Bibel.

  1. Liebe Frauke,
    die Antwort auf die Frage nach dem Lieblingsbuch ist überhaupt nicht zum lachen!
    Für mich ist das immer wieder ermutigend! Die Bibel ist einfach das Buch der Bücher-
    da ist alles!! drin, es lebt! Kein Wunder- bei dem Schriftsteller:-)
    Ein Mathelehrer meiner Tochter hat ins Freundschaftsbuch bei der Frage nach dem Lieblingsbuch auch die Bibel geschrieben und das hat mich damals sehr fasziniert.
    Man kann es natürlich auf zweierlei Arten lesen- als Geschichtsbuch oder als Gottes Reden zu den Menschen. Und wenn ich bereit bin, mir Zeit dafür zu nehmen und wie du schreibst- auch zu hören, was Gott dir vielleicht sagen möchte, dann wird sich etwas durch das Lesen im Leben verändern:-)
    Also danke für deine Antwort
    L.G.Petra

    • Liebe Petra,
      vielen Dank für deine Worte! Ja, manchmal ist man durchaus überrascht von solchen Antworten in Sachen Lieblingbuch. 🙂
      Bin mal gespannt, was noch so kommt. Beim „Buch für Buch“ lesen sind noch drei übrig momentan. 🙂
      LG, Frauke

  2. Liebe Frauke,

    ein sehr schöner Beitrag – und das sage ich als nicht so Bibelfeste. Unser Reliunterricht war immer sehr gut, und ich kenne auch einiges, aber so exzellent wie du – da verschlägt es mir die Sprache ☺.

    Warum sollte man dich nicht für vollnehmen, nur weil du gerne in der Bibel liest? Das ist doch überhaupt nicht antiquiert. Aus der Bibel kann man ebenso viel mitnehmen wie aus anderer Literatur. Das muss jeder für sich entscheiden.

    Liebe Grüße

    Rosa

    • Liebe Rosa,

      Danke Dir! Wirklich bibelfest fühle ich mich auch nicht, aber zumindest einmal komplett durchlesen wollte ich. Cool, dass der Unterricht in der Richtung gut war bei dir! Da hört man ja sehr unterschiedliches teilweise.
      Liebe Grüße,
      Frauke

  3. Meine Freundin nimmt sich ebenfalls phasenweise mal mehr, mal weniger die Bibel zur Hand. Ich hör ihr dann gern zu und lasse mir manche Passagen von ihr erklären (ich bin selbst in keinem religiösen Haushalt aufgewachsen …)

    • Cool! (Meine Eltern wollten uns das Ganze nahebringen, aber in der Pubertät wurde es mir irgendwann „zu eng“. Nach der Geburt meines Kindes fing ich dann selbst an zu suchen. 🙂 )

  4. Pingback: #liebu - Das sind die tollen Beiträge und wie es jetzt weitergeht

  5. Das macht dich ungeheuer sympatisch 🙂
    Und ich glaube, da brauchst du überhaupt keine Angst zu haben, dass es jemand komisch findet. Aber leider wird die Religion an sich, ja meistens nur negativ assoziert. Das finde ich sehr schade, denn Religion ist etwas sehr Schönes, wenn man es dazu macht und nicht auf die ganzen negativen Stimmen hört. Glaube kommt aus dem Herzen.
    Mein Lieblingsbuch ist der Koran. Der enthält übrigens auch die gleichen Geschichten, weil Gott nur eine Botschaft hat, die er den Menschen in verschiedenen Büchern, zu verschiedenen Zeiten nahe brachte und der Koran ist das Letzte davon, wo alle anderen Bücher, Propheten (der Juden und Christen) und Botschaften bestätigt werden.
    Aber ich schreibe lieber keinen Artikel über mein Lieblingsbuch, weil das ist kein Buch, mit dem man heutzutage Begeisterung weckt, sondern viel mehr den geballten Hass auf sich zieht…
    Da bist du mit der Bibel noch gut im Rennen, bei der Akzeptanz. 😀

    Liebe Grüße, Anja

    • Liebe Anja,

      bitte entschuldige, dass ich jetzt erst antworte. Danke Dir für Deine lieben Worte! Ja, Gott ist einfach Gott und viele religiöse Streitigkeiten einfach von Menschen gemacht. Gab es nicht die „Ringparabel“ bei „Nathan, der Weise“? Vielleicht sollte ich das noch mal in Ruhe lesen… 🙂

      Mit dieser Akzeptanz hätte ich überhaupt nicht gerechnet, als ich den Artikel schrieb. Schief angeguckt wird man wohl tatsächlich schnell, wenn man sich zum Glauben bekennt. Ich hoffe, Du machst da keine schlimmen Erfahrungen! Vielleicht ist es das Beste, man bleibt auch bei dem Thema authentisch. Auch wenn das sicher leichter gesagt als getan ist.

      Ganz liebe Grüße,
      Frauke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.