LitCamp (3): Das Beste am Schreiben: Überarbeiten

LitCampWeil ich gestern das LitCamp einmal mehr tierisch vermisste, endlich mal wieder ein weiterer Beitrag zu dem Wochenende in Heidelberg, dass nun schon mehr als zwei Wochen vorbei ist. ;-(

Eine sehr unterhaltsame Session führten Anne Weiss & Lisa Bitzer gemeinsam durch. Beide arbeiten als Lektorinnen, eine von ihnen schreibt zusätzlich auch selbst. Sie beleuchteten die Zusammenarbeit zwischen Autor und Lektor etwas näher und hatten dabei so einiges auf Lager. Zum Beispiel:

„Lektor ist ein typischer Korinthenkackerberuf.“

oder auch:

„Wir wollen die Autoren dazu bringen, dass sie ihren Scheiß selber machen.“

Kein schlechter Einstieg, oder?

Sie stellten und beantworteten diese Fragen:

Was macht ein Lektor den ganzen Tag?

– Bücher prüfen, einkaufen und möglichst gut „auf die Welt bringen“
→ meistens also Projektmanagement
– Werbetexte schreiben
– dem Marketing Gründe geben, die für das Buch sprechen

Was läuft überhaupt im Verlag mit einem Buch ab?

– Eingang des Manuskripts (über eine Agentur oder „unverlangt eingesandt“)
→ Lektor prüft es oder gibt es an einen externen Lektor zur Prüfung
→ wenn es passt, wird ein Vertrag geschlossen

– Bei Erstlingsautoren will man vor dem Vertragsabschluss das ganze Manuskript kennen, sonst reichen oft auch Exposé und Leseprobe

– anfangs strukturelles Lektorat (grundlegende Sachen)

→ anschließend überarbeitet der Autor (innerhalb der im Verlag festgelegten Frist)

– Autor gibt die überarbeitete Version wieder ab

– Außenlektorat folgt (dramaturgische Baustellen oft noch vorhanden oder Konflikte noch nicht fertig ausgetragen…). Hier geht es dann vor allem auch an Stilistik, Grammatik oder Bezugsfehler

In der Regel arbeiten Autoren brav mit den Lektoren zusammen, aber hier die „Liste des Grauens“ der Autorentypen aus Lektoratssicht:

(Das Ganze war natürlich mit dem einen oder anderen Augenzwinkern garniert, aber wer weiß… 😉 )

Der Selbstüberschätzter (Man kabbelt sich während der gemeinsamen Arbeit total, oft entsteht aber doch so eine Art Hassliebe.)

Der Open Office- Nutzer und alle ähnlichen Verweigerer (Rat der Damen hierzu: Bitte nutzt Word! Im strukturellen Lektorat sind die Kommentare am wichtigsten – wenn man nicht mit den gleichen Programmen arbeitet, können die oft rausfliegen. Also: Vorher klären, welches Format genutzt werden soll!!!)

Der Verwirrte (Dieses Autorenexemplar zeigt sich erst sehr einsichtig, setzt dann die besprochenen Änderungen aber nicht um.)

Der Unbelehrbare (Ist erkennbar an Sätzen wie „ich fühl dieses Komma nicht“ oder „Ich find das aber besser so“. → Die Änderungen vom Lektorat sind in den wenigsten Fällen Geschmackssache, sondern lassen sich stichhaltig begründen.)

Der digitale Held (Selfpublisher, die bereits erfolgreich Bücher auf den Markt brachten. Bringen Leser mit, können daher etwas eingebildet sein, haben aber diesen Überarbeitungsprozess oft noch nie so mitgemacht.)

Die Unsicheren (Sind meist Erstlingsautoren. Vertrauen sich selbst noch nicht, was ihren Text angeht. Manchmal entsteht der „Entenmama-Effekt“ und die Lektorin wird zur „Text-Mama“. Dann ruft der Autor möglicherweise abends privat an, weil er über ein Frage reden muss, die eigentlich auch bis zur Bürozeit warten kann.)

Die faulen Autoren („Das können Sie genau so umsetzen!“ als Antwort auf ein lektoriertes Manuskript.) Es ist wichtig, sich als Autor die Überarbeitung des Textes nicht aus der Hand nehmen zu lassen.

Im schlimmsten Fall steht der Stempel „unlektorierbar“ sicher immer in Reichweite irgendwo auf dem Schreibtisch der Lektoren. 🙂

Bei so manchen dieser Beispiele konnte ich herzhaft lachen, aber hin und wieder fühlte ich mich ertappt. Wer weiß, ob es mir irgendwann mal ähnliche ergeht? Wir werden sehen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.