[Rezension] Bärentöter – Der Auserwählte

BärentöterZum Autor:
Dr. Roland Pauler, 1954 in Bamberg geboren, studierte Geschichte, Altphilologie und Germanistik und hat eine beachtliche Laufbahn als Historiker hinter sich. Zum Mittelalter hat er schon so einiges veröffentlicht, sowohl Sachbücher als auch Belletristik. 2004 zog er sich aus privaten Gründen aus der Lehrtätigkeit zurück und widmet sich seitdem seiner Familie und der Schriftstellerei. Er lebt bei Passau.

Inhalt:
Kurz vor Weihnachten wurde der Bauer Bert von Räubern ermordet, nun steht seine Witwe Lisa mit drei Kindern allein da und Wilfried, der älteste Sohn muss mit seinen vierzehn Jahren kräftig mit anpacken. Als der Kaufmann & Viehtreiber Zoltán im Mai schon mit seiner Herde vorbei kommt statt wie üblich erst im Herbst, ist die Überraschung groß. Die Erklärung ist einfach: In Italien wütet die Pest, daher lässt er diese Route ausfallen.
Wilfried ist froh, dass er Zoltán als Treiber mit begleiten darf – und so ein wenig zum Auskommen der Familie beitragen darf. Vor dem Aufbruch träumt er, dass er einen Drachen tötet und edle Jungfrauen befreit, wilde Tiere und Räuber verjagt und zum Dank Rosalinde heiraten darf, die Tochter seines Lehnsherren und in den Adelsstand erhoben wird, als Kaiser über Könige herrschen soll.
Ist dieser Traum womöglich wegweisend? Was für Abenteuer wird er zu bestehen haben? Und kann er das Herz von Rosalinde gewinnen?

In diesem Jugendroman begleiten wir den vierzehnjährigen Wilfried im Jahr 1348 in Bayern. Zwanzig spannende Kapitel geben tiefe Einblicke in die damalige Zeit, die voll von Heldenverehrung, Brutalität und weit verbreitetem Aberglauben war. Auch die ehrenvollen Ritter waren nicht so wunderbar, wie im Allgemeinen angenommen, so mancher Ehrenmann und selbst die Kirchenleute gingen recht krumme Wege, wie auch im Roman gut dargestellt wird.

Meine persönliche Einschätzung:
Nach dem ersten paar Seiten fühlte ich mich beim Lesen ein wenig erschlagen von den Informationen, aber die Handlung nahm schnell an Fahrt auf. Immer wieder Angriff & Verteidigung zwischendrin – bei einigen Figuren, die der Leser kennen lernt, kann er im Verlauf der Handlung deren Tod betrauern. Wilfried wird so schnell zum Helden, dass man als erwachsener Leser möglicherweise etwas hinterherhinkt. „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ im mittelalterlichen Setting.

Ein Lieblingssatz, den ich für mich fand, wird Wilfried vom Grafen Gerald von Reiffenstein gesagt:
„Wer gehorchen kann, lernt auch befehlen und herrscht oft besser als die, die nie gehorchen mussten.“ (Seite 100)
Auch Zoltán gibt ihm eine tiefe Einsicht weiter: „Allein Bedürfnislosigkeit macht frei, weil man nicht fürchten muss, etwas zu verlieren – abgesehen vom Leben.“ (Seite 136)

Neben Wilfrieds Heldenreise fand ich persönlich die Wandlung anderer Figuren sehr spannend, die durch die Begegnung mit Wilfried und das Kennenlernen seiner Sichtweisen verändert wurden. Menschen, die das bisher überhaupt nicht taten, übernahmen plötzlich soziale Verantwortung – mehr wird nicht verraten. 😉

Als eine Besonderheit empfand ich beim Lesen die letzten Zeilen des Romans, in denen plötzlich Wilfried direkt angesprochen wird. Und natürlich das Nachwort, in dem Roland Pauer sich vor den Danksagungen direkt an den (jungen) Leser wendet. Wenn du plötzlich zu Macht und Reichtum kämst, was würdest du tun? Wie würdest du dich verändern? Was wäre, wenn?

Fazit:
Insgesamt finde ich den Roman spannend und sehr tauglich, wenn man in die Welt des Mittelalters eintauchen möchte. Jugendlichen Lesern würde ich ihn ab 14 Jahren, wenn sie leseerfahren sind, vielleicht schon ab 12 Jahren empfehlen.

Vielen Dank an den Fabulus-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Roland Pauer: „Bärentöter – Der Auserwählte“, Fabulus-Verlag 2015. 288 Seiten. ISBN 978-3-944788-38-8

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