[Rezension] Himmel über fremdem Land

Bei der Jaci stieß ich auf die „Dickes Ding“-Challenge:

DickesDing

Gut, ich fand sie sehr spät, da sie schon ein Jahr etwa läuft, aber nun gut. Hier mein erster Beitrag dazu:

„Himmel über fremdem Land“ ist der erste Teil der Meindorff-Saga von Elisabeth Büchle. In der Autoreninfo im Buch heißt es, ihr Markenzeichen seien spannende Liebesgeschichten, eingebettet in gründlich recherchierte historische Zusammenhänge.

Himmel_über_fremdem_Land

Historisch finden wir uns im Jahr 1908, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Allerdings nicht an nur einem Ort, sondern gleich in vier verschiedenen Regionen:
Koudekerke in den Niederlanden ist die Heimat der van Campens, einer der großen Familien im Roman.
Im damaligen Deutschen Reich sind die Handlungsorte Lübeck, Berlin – hier auch immer wieder das verrufene Scheunenviertel -, Groß-Lichterfelde und Magdeburg.
In damals Deutsch-Südwestafrika (heute: Namibia) spielen diverse Szenen in Windhuk, Bogenfels, in der Wüste Namib und Walvis Bay.
Und in Russland lesen wir von Geschehnissen in St. Petersburg.

In den vierzig spannenden Kapiteln folgen wir den Geschichten der Familien van Campen und Meindorff, die auf unterschiedlichen Wegen miteinander verflochten sind.
Die van Campens waren (einfluss-) reich, sind inzwischen aber verarmt. So wird die älteste Tochter Tilla mit Joseph Meindorff verheiratet, dem Sohn des Inhabers von Meindorff-Elektrik in Berlin. Sie geht nach Berlin, nimmt aber ihre Halbschwester Demy als ihre Gesellschafterin mit. Damit sind nur noch zwei kleine Kinder in der Heimat, während Anki als Kindermädchen in St. Petersburg und Tilla und Demy in Berlin versorgt sind.

Während die Ehe von Tilla und Joseph nicht so glücklich zu verlaufen scheint, hat Demy ihre ganz eigenen Herausforderungen. Demy hab ich als Figur schon bei ihrer Ankunft in Berlin lieb gewonnen. In Koudekerke konnte sie der Wildfang sein, der ihrer Persönlichkeit entspricht. Jetzt muss sie in Berlin plötzlich mit Menschen klarkommen, die einer ganz anderen Schicht angehören und muss über ihre einfache Herkunft schweigen sowie den Unterricht einer strengen Gouvernante über sich ergehen lassen. Geheimnisse sind der dreizehnjährigen überhaupt nicht recht. Auch Philippe, das schwarze Schaf der Familie Meindorff, macht Demy bei jeder Begegnung zu schaffen. Immerhin findet sie in Hannes, dem jüngeren Bruder ihres Schwagers, einen Verbündeten und auch Freundinnen lassen nicht all zu lange auf sich warten. Sie wird immer wieder mit dem Leid konfrontiert, dass in den Berliner Hinterhöfen wohnt und will helfen, wo sie nur kann. Eine erste Freundin findet sie Lieselotte, aber da deren Familie im Scheunenviertel lebt, ist diese Freundschaft den Meindorffs natürlich ein Dorn im Auge und wird sofort verboten.
Als das cholerische Familienoberhaupt beschließt, Demy mit seinem Sohn Hannes zu verheiraten, damit der nicht die junge, unstandesgemäße Edith ehelichen kann, wird es für Demy und Hannes eng. Werden sie eine Lösung finden?

Auch an den anderen Orten passieren viele spannende Dinge, aber zu viel möchte ich natürlich nicht verraten. Selbst entdecken macht mehr Spaß!

Als ich das Personenregister sah, wurde mir klar, dass dieser Roman einer derjenigen ist, bei denen ich immer wieder zurückblättern und nachsehen muss, wer jetzt wohin gehört. Hilfreich ist es beim Lesen allemal, auch wenn ich letzten Endes doch nicht so oft nachsah – dafür war die Handlung einfach zu spannend und ich wollte schnellstens wissen, wie es weitergeht.

Einer meiner Lieblingssätze ist dieser: „Ehrlichkeit ist doch nichts Unehrenhaftes. Vielleicht wäre diese Welt noch ein klein wenig schöner, würden wir alle offener und ehrlicher miteinander umgehen.“ (S. 79)

Wie es insgesamt weitergeht, möchte ich natürlich auch erfahren, daher werde ich den zweiten („Sturmwolken am Horizont“) und dritten („Hoffnung eines neuen Tages“) Band sicher auch noch lesen.

Elisabeth Büchle: „Himmel über fremdem Land“, GerthMedien 2013. 464 Seiten. ISBN 978-3-86591-750-8

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