Gott liebt Gerechtigkeit. Und was mache ich?

Für Gott ist Gerechtigkeit ein großes Thema. Schon im Alten Testament fordert Er das Volk, dass Er als sein eigenes erwählt hatte, immer wieder dazu auf, Gerechtigkeit walten zu lassen.

Wenn sich das Volk mal wieder von Ihm abgewandt hatte, ging alles bergab.

Beim Propheten Amos wird zum Beispiel kritisiert, dass…

„sie die Unschuldigen für Geld und die Armen für ein Paar Schuhe verkaufen. Sie treten den Kopf der Armen in den Staub und drängen die Elenden vom Wege.“ (Amos 1,6-7)

Gott fordert auf: „Suchet mich, so werdet ihr leben.“ (Amos 5,4)

Sehr eindrücklich und aufrüttelnd finde ich folgende Stelle:

Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. (…) Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören!
Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ (Amos 5,21-24)

Also nicht einfach schön Sonntag morgen im Gottesdienst hocken, ein paar fromme Lieder singen und wenn man ganz mutig ist, auch noch laut beten…

Recht und Gerechtigkeit will Gott sehen! Aber was heißt das? Was ist gerecht? Wie sollen wir mit Menschen umgehen? Mit Fremden zum Beispiel?

Weigere dich nicht, dem Bedürftigen Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag.“ (Sprüche 3,27)

Wie oft ging ich mit meinen Euronen im Portmonee vorbei an Menschen, die um ein paar Cent baten? Warum tue ich da nicht Gutes, wenn Gott das doch ganz klar will? Oft denke ich „ich muss selbst grad sparen“ oder „geh halt arbeiten für dein Geld, statt hier zu betteln“. Und wie oft tat ich Menschen damit Unrecht??? Es wird sich doch kaum jemand freiwillig an eine zugige Ecke stellen und betteln, wenn er seinen Lebensunterhalt auch anders bestreiten könnte…

Oder dies:

Wenn dein Bruder verarmt neben dir und sich nicht mehr halten kann, so sollst du ihm Hilfe leisten, er sei ein Fremdling oder Gast, damit er bei dir leben kann.“ (3. Mose 25,35)

Unterdrückt die Fremden nicht, die bei euch leben, sondern behandelt sie wie euresgleichen.“ (3. Mose 19,33f)

Muss das nicht gerade dann gelten, wenn dieser „Fremdling“ ein Flüchtling ist? Wenn er alles aufgeben musste – Haus und Hof, Heimat, womöglich die engsten Familienmitglieder -, und hier in der Fremde vor Nichts und Neuanfang steht?

Irgendwelche Ausschreitungen, Beschimpfungen, tätliche Angriffe… das geht gar nicht!

Das hat weder mit Recht noch mit Gerechtigkeit zu tun!

Was bilden wir uns ein, wer wir sind, wenn wir Menschen in Notsituationen so behandeln??? Wer gibt uns das Recht dazu? Niemand!

Wenn du noch nie deine Heimat verlassen musstest – vielleicht noch immer an dem Ort oder in der Gegend wohnst, in der du aufgewachsen bist -, dann versuch es dir doch zumindest mal vorzustellen.

Neuer Job – leider ganz woanders. Also umziehen. Freunde weg, Familie weg, nur Unbekannte in deiner neuen Umgebung. Ob sie misstrauisch sind dir – dem „Neuen“ gegenüber? Oder vielleicht nur neugierig, dich kennen zu lernen?

Sind sie dir wohlgesonnen, wirst du Annahme erfahren?

Viel treibt dich um in so einer Situation. Im neuen Job musst du dich erstmal beweisen, bist zunächst der „Lernende“. Und kennst keinen.

Wenn es die Entfernung zulässt, wirst du sicher oft nach Hause fahren, um die Freunde, die Familie zu sehen. Endlich wieder entspannt du selbst sein können.

Aber was, wenn das nicht geht?

Du nicht mal eben in die Heimat kannst?

Weltenwechsel.

Willkommen in deinem neuen Leben.

Und nun stell dir vor, du musstest die Heimat verlassen, ohne dass da dein neuer Job wartet. Mehr noch: Du darfst erstmal überhaupt nicht arbeiten! Nur Unbekanntes wartet auf dich; du hast keine Ahnung, was auf dich zukommt. Wo wirst du schlafen? Was essen? Was trinken? Wird dir irgendjemand helfen?

Und wenn du nun zu allem Übel nicht einmal die Sprache in deiner neuen Umgebung kennst. Was ist dann?

Wie schnell sind Selbstvertrauen und das Gefühl von Sicherheit dann von Sorgen, Zweifeln und Ängsten ohne Ende abgelöst?

Stell dir das einfach mal vor.

Trachte nicht nach Bösem gegen deinen Nächsten, der arglos bei dir wohnt.“ (Sprüche 3,29)

Den Geflüchteten, Angekommenen nicht auch noch Böses wollen. Das wäre doch schon mal ein Anfang.

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