Vorbereitung + Gelegenheit = Erfolg

Grundrechnen für Kreative: Vorbereitung + Gelegenheit = Erfolg

„Wir fördern junge Autoren“. Unter diesem Motto ging der Nachwuchsautoren-Wettbewerb der Stiftung Christliche Medien 2012 in seine zweite Runde. Nicht nur bei Literatur und Journalismus gibt es Förderbedarf. Welcher Künstler kommt schon ohne Vorbilder aus? Wie kann ein (junger) Mensch seinen Weg finden? Haben die weichenstellenden Entscheidungen am Ende der Schulzeit das letzte Wort? Dirk Menger und David Harfst, die Mitstreiter von Samuel Harfst (www.samuelharfst.de), standen uns nach einem Konzert im Mai Rede und Antwort.
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schreibeninbonn: Im Konzert berichtete Samuel von einer persönlichen Krise, während der er überlegte, ob er überhaupt weiter auf der Bühne stehen sollte. Wolltet ihr die Musik auch schon mal an den Nagel hängen?

Dirk: Nein, bei mir war’s eher umgekehrt. Ich überlegte lange, ob ich die Musik zum Beruf machen sollte. Spaß machte sie mir schon immer. Nach dem Abi siegte zuerst die Vernunft: ich studierte VWL und machte beruflich nichts mit Musik. Nach der Bundeswehr hatte ich dann eine Phase, in der ich meinen Glauben stark hinterfragte. Eine richtige Krise. Damals beschäftigte ich mich viel mit Philosophie, bevor ich neu zum Glauben an Jesus Christus fand. Als diese Entscheidung gefallen war, war es plötzlich glasklar, dass ich auf jeden Fall beruflich was mit Musik machen sollte.
Also studierte ich in Frankfurt Musik auf Lehramt. Der Studiengang war total anders als der zuvor begonnene, passte viel besser zu mir. Dass wir mit 16 Leuten ein sehr kleiner Jahrgang waren, brachte viel mehr Intensität ins Studium. Eine Menge Einzelübungen statt Massenabfertigung; keine 400 in den Hörsaal gequetschten Studenten. Hier war ich richtig.

David, hattest du mal eine Phase, in der du aufhören wolltest?

David: Wirkliche Phasen bisher nicht. Klar gibt es ab und zu auch mal Momente, in denen ich lieber daheim säße, statt unterwegs zu sein. Aber das waren bisher Gott sei Dank wirklich nur Momente, die sehr schnell verflogen.

Also alles easy? Musst du dich nie selbst motivieren?

David: Zum Glück darf ich momentan das machen, was mir Spaß macht. Das Organisieren fällt mir leicht. Schön ist auch, dass ich das von Zuhause aus tun kann. Da klingelt zwar – gerade bei Booking-Anfragen – zu allen Tageszeiten immer wieder mal das Telefon, aber insgesamt kann ich mir die Arbeit zuhause sehr gut einteilen. Und es ist eine schöne Abwechslung zum häufigen Unterwegssein.

War das Musikmachen schon immer dein Traum?

David: Nein. Es hat mir schon immer Spaß gemacht, aber beruflich bin ich da eher rein gestolpert. Nahm die Chance wahr, die sich bot.

Was ratet ihr „Träumern“?

David: Zunächst mal: Es ist gut, überhaupt zu träumen. „Groß träumen, aber hellwach sein“ ist ein Motto von uns. Und ein Zitat, das mir mal begegnete und ich ganz passend finde, lautet „Erfolg entsteht, wenn eine gute Vorbereitung auf eine Gelegenheit trifft.“ [Michael Rava in Anlehnung an Seneca] Wie auch immer man Erfolg dabei definiert – der muss ja nicht immer aufs Finanzielle begrenzt werden.

Dirk, wie war das bei dir? Träumtest du schon immer von einer Karriere als Musiker? Seit wann machst du Musik?

Dirk: Das kann ich gar nicht so genau sagen. Meine Mutter war sehr musikalisch, daher war bei uns Musik schon immer Teil von Alltag und Familienleben. Jedes von uns Kindern lernte Musik früh kennen und es war weniger die Frage, ob man ein Instrument lernt als viel mehr, welches. Blockflöte oder Klavier – damit ging es meist los.

Und in welchem Alter nahmst du den ersten Musikunterricht?

Dirk: Ich fing mit Klavier an, da war ich sieben. Als ich neun war, kam der Kontrabass dazu, mit zwölf das Cello. Später lernte ich auch noch Orgel, aber nicht so viele Jahre.
Und es gab einen Chor in Wetzlar: „Tante Margaret’s Küken-Chor“. Da haben wir alle drei schon mitgesungen – Samuel, David und ich.

Von „Tante Margaret“ und den Kindern hatten wir Kassetten daheim, als ich klein war. Da habt ihr sicher schon früh Vieles lernen können. Engagiert ihr euch selbst auch in Sachen Nachwuchsförderung?

David: Dirk gibt Unterricht. Während dem Studium machte ich das auch, aber inzwischen fehlt mir die Zeit dafür.
Wir haben aber ein paar befreundete Musiker – zum Beispiel Tobias Hundt (www.tobiashundt.de) -, mit denen Samu gemeinsam schreibt oder denen wir Tipps und Unterstützung geben. Wir folgen also dabei keinem detailliert ausgearbeiteten Plan, aber: ja. Schließlich haben und hatten wir damals auch Leute, von denen wir viel lernen durften und waren immer sehr dankbar dafür – das möchten wir gern weitergeben.

Wie ist es heute? Das Organisieren zuhause, Proben mit der Band oder performen vor Publikum – was gibt und was raubt Energie?

David: Die Abwechslung macht’s. Zuhause sein und unterwegs sein. Eine der Aufgaben allein die ganze Zeit wäre zu anstrengend. Das zu Hause Organisierte und Geplante umsetzen können ist sehr genial.

Und was ist, wenn Pläne nicht erfüllt werden?

David: Wenn so was passiert, ist das natürlich nie schön. Wenn man zum Beispiel ein Konzert wegen Krankheit absagen muss, dann ist da dieses starke Gefühl, das Publikum zu enttäuschen. Gott sei Dank hatten wir so einen Fall erst einmal bei mehr als 500 Konzerten.

Apropos Gott: ihr seid entschiedene Christen und in euren Texten spielen Glaubensthemen nicht selten eine Rolle. Kommt das beim Publikum immer „gut an“?

David: Das solltest du am besten das Publikum fragen. Alles in allem würden die Menschen ja nicht stehen bleiben bei Straßenkonzerten oder gar nicht erst zu Konzerten kommen, wenn’s ihnen nicht gefiele.
Von den Rückmeldungen, die wir bekommen, weiß ich aber, dass viele unsere Musik gerade wegen der Texte gern hören.

Gibt es eine Situation, an die ihr euch besonders gern erinnert?

David: Die eine Situation gibt es nicht, aber insgesamt ist das Feedback auf der Straße natürlich noch direkter. Wenn zum Beispiel Leute die Picknickdecke auspacken und sich hinsetzen, ist das ein großartiges Kompliment und eine Freude. Oder wenn Obdachlose dazu kommen und plötzlich ihr Essen mit uns teilen. Oder ganz allgemein, wenn viele Menschen stehen bleiben und sich eine Pause von der Hektik gönnen… Und bei Konzerten ist es immer alleine schon ein riesen Kompliment, wenn sich so viele Leute bewusst entscheiden einen freien Abend mit Freunden und der Musik zu verbringen.

Das klingt doch gut! Dann vielen Dank euch für das Gespräch und weiterhin viel Segen und Erfolg.

David: Sehr gerne.

Interview: F r a u k e S c h n e c k

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