Weckruf

Was ist eigentlich mit uns Deutschen los? Jammer-Ossis, Besser-Wessis… Allesamt drehen wir uns immer wieder um uns selbst. Beweinen, bedenken, bestaunen unsere Vergangenheit, blicken in jeden historischen Spiegel, den wir finden können.
Wie oft denn noch werden die Dokumentationen ausgestrahlt zum Bau der Mauer, zur Einheit, der Emanzipation der Frauen und all den Geschehnissen rund um das Dritte Reich?

Ja, die Geschichte darf nicht vergessen werden. Aber das verlangt auch niemand.

Trotzdem ist es an der Zeit, aufzustehen. Die Augen auf zu machen und

die heutige Realität in den Straßen, Vierteln, Dörfern und Städten anzusehen. Im Jetzt ankommen und etwas für die Zukunft verändern.

Es gibt einige Themen, die mir das Herz schneller schlagen lassen. Bei denen ich denke: „Da muss doch jemand etwas tun!“

Zum Beispiel:

Junge Menschen, die vielleicht nicht ganz so gut in der Schule mitkommen, keine Ausbildung machen und schon mit Anfang zwanzig kaum Perspektiven für ein geregeltes, legales Erwerbseinkommen haben, von dem sie sich selbst geschweige denn eine Familie ernähren können.

Kinder oder Jugendliche, die – von wem auch immer – missbraucht werden und sich fast nie trauen, auch nur ein Wort darüber zu verlieren. Wenn, dann erst Jahre oder Jahrzehnte später, wenn die Tat womöglich verjährt ist und das Opfer schon lange mit den Folgen zu kämpfen hat.

Menschen, die aus anderen Ländern hierher ziehen, weil unser Land noch immer so einen guten Ruf hat, sie hier mehr Perspektiven als im eigenen Land sehen, ihre Heimat hinter sich lassen und dann hier vor einem Nichts stehen; schlecht integriert werden und damit ebenfalls kaum eine wirkliche Chance haben.

Menschen, die unsere Bevölkerung oder zumindest Teile davon vertreten sollen und ihre Entscheidungen so viel anders treffen, als sie es in Wahlphasen mal angekündigt hatten.

Hier, quasi vor meiner Haustür, im ehemaligen – von einem Poetry Slammer so bezeichneten – „Wohlstandsghetto“ Bonn:
Wie viele Menschen sehe ich Tag für Tag, die auf der Straße stehen, teilweise sogar LEBEN, und um Geld bitten? Und wie oft schüttele ich stumm den Kopf, wenn jemand mich persönlich anspricht?

Wie oft denke ich selbst: „Vater Staat wird’s schon richten?“ Und wie oft bin ich enttäuscht vom Väterchen, das sich und uns immer tiefer in Schulden treibt und selbst oft kraftlos, geschwächt – eben sehr in die Jahre gekommen – wirkt?

Brennende Autos in Berlin, brennende Hochhäuser in Tannenbusch, zerstörte Autofenster in Kessenich… Und außerhalb unseres Landes scheint ja eh alles in Aufruhr und Umbruch zu sein. Sind das kleine bzw. große Unruhen, denen immer mehr folgen wird? Wie geht es weiter? Sind wir wirklich so sicher, wie wir uns immer wähnen?

[Das ist keine abschließende Aufzählung.]

Was muss noch alles passieren, bis wir nicht mehr einfach nur unser Kreuzchen machen an dem Tag, an dem es gefordert wird, sondern selbst etwas tun? Wie auch immer das WAS dann definiert ist. Aber zumindest ein WAS, das Verbesserungen nach sich zieht.

Wann treten wir vom Spiegel zurück und gucken uns die reale Welt „da draußen“ an – und fangen an, etwas zu tun?

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