Büroarbeit

Im vergangenen Winter machte ich für einen Nachmittag die Bekanntschaft einer Frau, die seit etwa 10 Jahren in Deutschland lebt. Geboren und aufgewachsen ist sie in Marokko, wo das Frauenbild ein gänzlich anderes ist. Was für sie aber viel wichtiger zu sein schien: Da sei es immer schön warm. Unser Gespräch fand im Dezember bei Minusgraden statt, sodass diese Erinnerung, die in einer halben Stunde bestimmt drei Mal ihren Mund verließ, auch mich erfreute.

Es war Sonntag und irgendwann frug sie, ob ich am nächsten Tag  arbeiten gehen würde.

Ich: Ja.
Sie: Was machen?
Ich: Ich arbeite im Büro.
Sie: Putzen?
Ich: Nein, am Computer.
Sie: Ah! Gute Arbeit!

Das Gespräch beziehungsweise diese Ein-Wort-Frage ging mir lange nicht aus dem Kopf. Das klang so nach logischer Schlussfolgerung: wer im Büro arbeitet, putzt dort.

Was hätte in meinem Leben anders laufen müssen, damit ich das auch so sehen würde? Von Geburt an besser gestellt, irgendwie privilegiert – das dachte ich von Leuten, die schon immer in dem Wissen aufwuchsen, dass Papi alles regeln wird. „Mit dem goldenen Löffel im Mund“ geborene.

Aber bin ich nicht selbst absolut privilegiert? Allein dadurch, dass ich in diesem Land (Deutschland) geboren, aufgewachsen, sozialisiert worden bin? Ich kam bis dahin nie auch nur annähernd auf die Idee, in einem Büro das Putzen als meine Arbeit in Erwägung zu ziehen. Aber selbst verdient habe ich das nicht.

Ich kann nur abolut dankbar sein für all die Chancen, die das Leben bereithielt für mich.

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