Stille? Ja, bitte!

Ist die „Stille Nacht“ überhaupt noch still? Müsste sie nicht viel mehr „laute Nacht“ heißen? Man hetzt vielleicht auf den letzten Drücker noch mal los, weil man Geschenke für die Lieben vergessen hat, irgendwann gibt’s den „Termin Christmette“ und beim Auspacken der Geschenke unterm Weihnachtsbaum geht’s wohl in den wenigsten Familien still zu. Kinder freuen sich (hoffentlich), manch einer ärgert sich leise oder laut, weil dann doch nicht das richtige Geschenk dabei war… Soll ja alles schon vorgekommen sein. Und überhaupt – wie war das gleich mit den besten Familien und dem Streit?

Wie kann ich also in der so genannten Stillen Nacht tatsächlich ein bisschen still werden? Das Stille mir als Mensch gut tut, bedarf wohl kaum mehr eines Beweises.

Vielleicht kann ich schon vorab mit meinen Lieben daheim klären, wie das machbar ist. Eine „Stille Stunde“ vielleicht. Nicht zum effektiven Abarbeiten laut Zeitmanagement, sondern um wirklich still zu werden, anzukommen, Ruhe zu finden nach dem Stress der doch wieder wenig besinnlichen Vorweihnachtszeit.

Da wäre die Frau des Hauses. Sie schleppte – zusätzlich zu ihrem „Tagesgeschäft“ als Hausfrau und Mutter fleißig den ganzen Monat Geschenke ins Haus. Heute stand sie ewig in der Küche, damit alle ihre Gäste was Leckeres auf dem Tisch vorfinden.

Oder der Herr des Hauses, der nun endlich Urlaub hat und vorher für das finanzielle Wohl der Familie zum Jahresende noch mal so richtig Gas gegeben hat.

Auch jedes der – endlich mal wieder heim gekommenen – Kinder hatte seine Herausforderungen zu meistern: junge Ehe, beendetes Studium, Beginn des Arbeitslebens, begonnenes Studium, frisch getrennt, allein erziehend… und fürs Nesthäkchen wird’s sicher gerade jetzt stressig. Erst zogen „alle“ aus und es hat nur noch die Eltern, vermisst die Geschwister, hat plötzlich das Jahr über viel zu viel Stille im Haus und ist auf Freunde und Selbstorganisation angewiesen. Und nun sind auf einmal alle wieder da – volle Bude, Spiele, viel Gelächter, sicher die eine oder andere Auseinandersetzung. Einige Tage alles „fast wie früher“, immer in dem Wissen, dass nach einer Woche wieder alles vorbei ist.

Jeder sehnt sich nach etwas Stille, ob bewusst oder unbewusst. Jeder der Vielen kann nur schauen, wie er oder sie sich etwas zurückziehen kann. Die anderen können unterstützen, indem sie den Abwasch erledigen und ähnliche Aufgaben übernehmen ohne viel zu meckern, auch mal auf Enkel aufpassen und sich immer wieder auch selbst zurückziehen um neue Kraft für die Gemeinschaft zu tanken. Vielleicht kann ein kleiner Raum als „Stille-Raum“ eingerichtet werden – dann hat jeder die Möglichkeit, sich dahin zurückzuziehen, wer gerade möchte. Dann sind vielleicht auch die bei Anlässen wie „Weihnachten in Familie“ nahezu vorprogrammierten Streitereien leichter zu verkraften.

Mit der Stille im Herzen.

Ein Gedanke zu „Stille? Ja, bitte!

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