Dankbarkeit am Dienstag (27)

WhatWow! Da ist man nichtsahnend unterwegs zum Einkaufen und sieht hinterher, dass man was Tolles gewonnen hat. Uff. Aber von vorne.

Momentan ist es ja recht ruhig auf dem Blog hier. Und das hat auch seinen guten Grund. Nachdem wir letztes Jahr das Standesamt im sehr, sehr kleinen Kreis feierten, folgt in diesem Jahr die Feier mit Familie und Freunden. Nicht hier vor Ort aus familiären Gründen, sondern in Berlin. Hochzeitsplanung aus der Distanz also. Das Ganze lief im November, wo wir unsere Location fanden, langsam an und nahm in den letzten Monaten an Fahrt auf. Da sowohl mein Mann als auch ich aber im Prokrastinieren nicht die Schlechtesten sind, haben wir nun auf den letzten Drücker noch recht viel auf der To-Do-Liste.

Zum Anfang der Sommerferien gab es erstmal eine Woche Familienurlaub an der Nordsee, die ich zuvor zur planungsfreien Woche erklärt hatte. Bis auf ein paar Kleinigkeiten hielten wir das Weiterlesen

[Rezension] Das Café – Jeder braucht einen Ort, an dem er echt sein kann.

Das_CafeSteven Kerner fällt mit seinen 34 Jahren plötzlich aus allen Wolken seines bisher (äußerlich) erfolgreichen Lebens (toller Job, wundervolle Ehefrau und eine Tochter, die sehr wahrscheinlich auf keiner schiefen Bahn landen wird). Als er am Abend des 11. März heimkommt, ist seine Frau Lindsey aufgebracht. Alle ihre Anrufversuche tagsüber waren gescheitert, Steven hatte vergessen, die gemeinsame Tochter Jennifer wie vereinbart von der Schule abzuholen, woraufhin die Elfjährige über eine Stunde vor der Schule wartete und zusehen musste, wie alle anderen Kinder abgeholt wurden. Die geplante Vater-Tochter-Zeit fiel einmal mehr Stevens zeitraubendem Job zum Opfer. Im Verlauf der Diskussion rastet Steven aus. Nicht zum ersten Mal. Am Ende packt Lindsey ihre Koffer und verlässt mit der Tochter das Haus, weil sie Angst vor ihrem Mann hat.

Als ihm Andy Monroe begegnet, ein seltsamer Exzentriker, der sehr persönliche Dinge aus seinem Leben zu wissen scheint, findet Steven endlich Weiterlesen

[Rezension] Der Kuss des Feindes

Der_Kuss_des_FeindesDies ist der erste historische Jugendroman, den ich las. Titus Müller ist bei historischen Romanen sowieso schon lange einer meiner Lieblingsautoren, 2012 legte er seinen ersten für Jugendliche vor.

Der Roman spielt etwa 800 n.C. in Kappadokien, einer Landschaft in der heutigen Türkei.
Arif ist 15 und damit erwachsen. Sein Vater Haroun ist der Führer des arabischen Stammes, in dem sie leben und Arif steht immer im Schatten seines älteren Bruders Utman, der vor einem Jahr als Held starb. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder, der von allen nur „al-Qabih“ („der Hässliche“) genannt wird, ist behindert und wird vom Stamm immer wieder gehänselt und zum Außenseiter gemacht. Der herzensgute Arif aber beschützt ihn, wo es nur geht. Er sehnt sich sehr danach, von seinem Vater anerkannt oder wenigstens wahrgenommen zu werden und steht permanent unter dem Druck, sich beweisen zu müssen. Die Brüder der Familie Zakariyya beanspruchen die Führerung des Stammes für ihre Familie, weil ihre und die Familie Asad seit langer Zeit miteinander verstritten sind. Seit dem Tode Utmans sehen sie gute Chancen dafür und provozieren Arif, wo sie nur können.

Doch die Streitigkeiten innerhalb des Stammes sind nur eine Front. Weiterlesen

LitCamp (4): #einLichtfuerLinsensicht

Session_Julia Von einer emotional anstrengenden Woche erzählte uns Julia in ihrer Session. Aber erst gab es ein wenig Information zur Vorgeschichte. Seit zwei Jahren litt Chris an Darmkrebs. Nachdem er damit an die Öffentlichkeit gegangen war, wurde der Hashtag #LichtfuerLinsensicht ins (Twitter-) Leben gerufen, unter dem ihm immer wieder Lichtbilder geschickt wurden. Die Botschaft: „Wir sind bei dir. Du schaffst das!“

Nun musste er am Sonntag vor dem LitCamp erneut ins Krankenhaus. Und es hieß, dass er den Kampf gegen den Krebs anscheinend doch verloren habe. Plötzlich kamen wieder neue Lichtbilder dazu. Und auf einmal schlich sich das „ein“ in den Hashtag. Der nun neue Hashtag #einLichtfuerLinsensicht hatte etwas von Sterbebegleitung. Am Dienstagabend kam spät dann die Nachricht, dass Linsensicht gestorben sei.

Wie kann man trauern um einen Menschen, den man nie real in die Arme schloss? Den man „nur“ online kennt, den man aber auch auf diesem Weg fest ins Herz geschlossen hat?

Julia schrieb selbst diesen wunderbaren Artikel dazu.

Plötzlich sind da all diese Fragen. Wie kann das gehen mit einer Online-Trauer? Weiterlesen

LitCamp (3): Das Beste am Schreiben: Überarbeiten

LitCampWeil ich gestern das LitCamp einmal mehr tierisch vermisste, endlich mal wieder ein weiterer Beitrag zu dem Wochenende in Heidelberg, dass nun schon mehr als zwei Wochen vorbei ist. ;-(

Eine sehr unterhaltsame Session führten Anne Weiss & Lisa Bitzer gemeinsam durch. Beide arbeiten als Lektorinnen, eine von ihnen schreibt zusätzlich auch selbst. Sie beleuchteten die Zusammenarbeit zwischen Autor und Lektor etwas näher und hatten dabei so einiges auf Lager. Zum Beispiel:

„Lektor ist ein typischer Korinthenkackerberuf.“

oder auch:

„Wir wollen die Autoren dazu bringen, dass sie ihren Scheiß selber machen.“

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[Rezension] Der Riese, der mit dem Regen kam

DerRieseDerMitDemRegenKam_01Albert Loblos, gerade elf Jahre alt, lebt mit seiner Mutter und den fünf Schwestern im Sommerhochhaus. Die Sommerferien beginnen gerade und ihm steht eine langweilige Zeit bevor. Seine Mutter setzt alles auf Alberts Schwestern, die sie von Casting zu Casting jagt, in der Hoffnung, dass mindestens eine von ihnen groß rauskommt und sich damit die finanziellen Sorgen der Familie von selbst erledigen. Für Albert hat sie nichts übrig und hält es für einen Irrtum, dass ausgerechnet er ihr Sohn sein soll.

„Sogar deiner Mutter bist du egal.“
„Das stimmt nicht!“ Albert sah sie wütend an.
„Träum ruhig weiter“, zischte Frau Urgel. (Seite 83)

Einen Hoffnungsschimmer gibt es, als am Abend des ersten Ferientages Kalinda mit ihrer Mutter und deren Freund ins Hochhaus einzieht. Vielleicht können Kalinda und Albert Freunde werden? Weiterlesen

Einladung vom Kind

Kurzmitteilung

Das Kind hat heute einen Auftritt mit dem Chor. Nun möchte es am liebsten mit dem besten Freund den Nachmittag schon im Kurpark verbringen und Wasser von den salzhaltigen Heilquellen trinken.

„Danach können wir ja da noch was machen bei den Stationen im Park! Die drei Stunden kriegen wir bestimmt herum“, versucht er mich zu überzeugen.

„Und was ist mit mir?“, frage ich ihn. Drei Stunden im Park herumhocken klingt jetzt nicht so verlockend…

„Du kannst doch lesen“, ist die Antwort. So einfach.

Dass ich da nicht selbst drauf gekommen bin…

LitCamp (2): „Originäre Schreibthemen finden“

Sessionplan_SamstagIn dieser Session, die Tanja Steinlechner vom Schreibhain anbot, ging es ganz praktisch vor Ort ans Schreiben. Das hat mich im ersten Moment etwas überrascht, aber dann SEHR GEFREUT! [Und wenn ich bedenke, dass Tanja eine Schreibschule leitet, hätte ich mich eigentlich nicht wundern brauchen :-)]

Zu Beginn führte sie aus, dass das eigene Thema mit

  • der Erzählstimme,
  • biografischen Anknüpfungspunkten und
  • Lesevorlieben

zusammenhängt.

Anschließend gab es die erste Übung: Weiterlesen

LitCamp (1): Ein literarischer Höhenflug. Und: „Die Schreibblockade“

Am vergangenen Wochenende gab es das erste „LitCamp“ in Heidelberg, ein Barcamp, das voll und ganz der Literatur gewidmet war. Für mich war ein ein literarischer Höhenflug. Natürlich nicht im Sinne vom Schreiben an sich – wobei selbst das teilweise vorkam -, sondern einfach die Begegnung mit so vielen Menschen, deren Herz für die Literatur schlägt und die auf die eine oder andere Art alle mit Literatur zu tun haben. Immer wieder über Literatur ins Gespräch kommen, unter Gleichgesinnten sein – es war mir ein Fest!

HeidelbergFreitag Abend ging es für einige los mit einem literarischen Spaziergang durch Heidelberg, den Claudia Schmid mit uns durchführte. An einigen Orten erzählte sie uns Wissenswertes zu dieser ersten UNESCO-Literaturstadt in Deutschland. Dabei ging es viel um Martin Luther und was ihn mit der Stadt verband, wobei Claudia netterweise auch ein wenig aus ihrem Roman „Die brennenden Lettern“ las. Für mich klang der Auszug sehr spannend und machte Lust auf mehr. Weiterlesen

[Rezension] Herr Sturm und die Farbe des Windes

HerrSturmUndDieFarbeDesWindes_03Mit einem fulminanten Sprung direkt hinein in diesen Roman beweist Jens Böttcher einmal mehr, dass er ein Wortakrobat vom Feinsten ist. (Wagt auf jeden Fall mal einen Blick auf seine Homepage! Er schreibt wunderbare Texte und Musik!)

Richard Sturm, der den Regen als oft tröstlichen Begleiter in seinem seit drei Jahren recht trostlosen Leben sieht, ist auf dem Weg zu einer Adresse in Hamburg, die er per Brief erhalten hat. Dem voraus ging, dass er auf eine Annonce in der Zeitung geantwortet hatte, in der ein Schriftsteller für einen mysteriösen Auftrag gesucht wurde.

Besonderer Auftrag für interessierten Schriftsteller, der mit der Löschtaste umgehen kann. Exquisites Honorar. (S. 15)

Sturm lernt Herrn Bischoff kennen, der ihm beim ersten Treffen den Auftrag etwas näher bringt. Er solle zwölf Gespräche mit verschiedensten Menschen führen, solle herausfinden, was Weiterlesen